Westfälisches Landestheater - Andorra (Video)

Andorra

Max Frisch. Für alle ab 13 Jahren
Moderner Klassiker
Inszenierung Tatjana Fernau >> Ausstattung Dietmar Teßmann >> Dramaturgie und Abendspielleitung Sabrina Ullrich >> Theaterpädagogik Katrin Kleine-Onnebrink >> Andri Patrick Bartsch >> Barblin Caroline Knebel >> Der Lehrer Markus Satler >> Die Wirtin, Die Mutter Julia Panzilius >> Die Senora Nele Swanton >> Der Soldat, Der Tischler, Der Doktor Felix Sommer >> Der Pater, Der Geselle, Der Jemand Steffen Weixler

Zum Stück

Der junge Andri wächst in Andorra als vermeintlich jüdischer Adoptivsohn des Lehrers Can und dessen Familie auf. Andri liebt Barblin, die Tochter des Lehrers, ohne zu wissen, dass sie in Wahrheit seine Halbschwester ist und entschließt sich, bei Can um ihre Hand anzuhalten. Er wird abgewiesen und schreibt die Schuld seiner Identität als Jude zu. Als Andri eine Tischlerlehre beginnt, stößt er hier ebenfalls auf Vorurteile, die von seinem Meister immer wieder mit der Floskel „…wenn’s einer nicht im Blut hat“ bekräftigt werden.

Je mehr Andri mit den Vorurteilen konfrontiert wird, desto intensiver beobachtet er sich und nimmt die ihm nachgesagten Eigenschaften an sich selbst wahr. Andris leibliche Mutter kommt aus dem Nachbarland nach Andorra, um ihren Sohn zu sehen. Sie bringt den Lehrer dazu, Andris wahre Identität preiszugeben. Andri jedoch beharrt auf seiner Rolle als Jude und Sündenbock der anderen, mit der er sich inzwischen abgefunden hat.

Max Frischs „Andorra“ ist bis heute ein hochaktuelles und brisantes Stück, das das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum in vielfältiger Weise überprüft und die aktuelle Problematik des Mobbings aufgreift. So geht es nicht nur um Diskriminierung, sondern auch um die Suche nach der eigenen Identität, die vorab schon durch Meinungen anderer verzerrt wird. Der Andere – das ist nicht nur der Jude, das kann jeder sein. Es ist das Fremde, das man gar nicht erst bereit ist kennen zu lernen.

Volker Beushausen 

Aufführungstermine

Pressestimmen

„(…) Ein Ton wie auf dem Hof einer “Problemschule”, aggressiv, patzig, provokant, sehr von heute. Das macht Sinn, weil Tatjana Fernau (Regie) Max Frischs “Andorra” für das Hier und Jetzt in Szene setzt. (…) Vorstufe jeden Kesseltreibens ist die Schmähung des Anderen. Aus dumpfem Wir-Gefühl formiert sich die (Volks-)Gemeinschaft. Rassistische Klischees bilden den Nährboden der Gewalt. Und Frischs Jude ist als Metapher zu lesen. (…) Stark und sehenswert!“
Kai-Uwe Brinkmann, RUHR NACHRICHTEN

„Wie versteinert sitzen die Zuschauer nach dem lauten Knall im abgedunkelten Studio des Westfälischen Landestheaters (WLT) auf ihren Plätzen. Einige Augenblicke vergehen, bis schließlich Applaus aufbrandet. Das Publikum, es zeigte sich am Sonntag beeindruckt von der WLT-Premiere des Stückes „Andorra“, ein Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, das sich am Beispiel des Antisemitismus mit Ausgrenzung, Identität und Vorurteilen beschäftigt. (…) Patrick Bartsch, der erstmals am WLT auf die Bühne trat, verkörperte den Protagonisten überaus glaubwürdig, mimte den isolierten Außenseiter, der zu keiner Zeit zum Musterknaben avancierte, sondern durchaus auch schockierte.(…)“
Sabine Latterner, WAZ/WR

„(…) Zu Beginn der 75minütigen Aufführung bevölkert das ganze siebenköpfige Ensemble, darunter die beiden rundum überzeugenden WLT-Debütanten Patrick Bartsch und Markus Satler, eher lustlos die noch nackte Studio-Bühne am Europaplatz, lümmelt sich auf Sitzkissen-Stapeln herum: Pausen-Atmosphäre auf einem x-beliebigen Schulhof unserer Tage. (…) Was im übrigen alles schon bei dem erstaunlich modernen Max Frisch angelegt ist, auch die finale „Judenschau“
mit schwarz maskierten Gesichtern, die Tatjana Fernau statt wie noch bei Frisch in Ku-Klux-Klan-Manier nun als grotesk überzeichnete „Reise nach Jerusalem“ inszeniert – und wie manche andere Passage sehr sinnvoll kürzt.“
Pitt Herrmann, SONNTAGSNACHRICHTEN

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