Der Mann der die Welt aß

Nis-Momme Stockmann
Zeitgenössisches Stück
Inszenierung Ralf Ebeling >> Ausstattung Jeremias Vondrlik >> Video Kristoffer Keudel >> Dramaturgie Christian Scholze >> Regieassistenz/ Abendspielleitung Felix Sommer >> Der Vater Jürgen Mikol >> Der Sohn Bülent Özdil >> Lisa Julia Gutjahr >> Phillip Roni Merza >> Ulf Guido Thurk >> Frau Bogensee Sophie Schmidt >>

Zum Stück

Sie telefonieren. Und merken nichts. Der Sohn mit dem Vater. Der Vater sagt, ihm sei etwas Komisches passiert. Der Sohn hört nicht richtig zu. Er will, dass der Vater wegen seiner Grippe zum Arzt geht, statt Tigerbalsam zu nehmen. Der Vater will nicht, zu teuer. Er will dem Sohn sagen, was ihm passiert ist. Er hat sich nachts ein Stück von der Zunge abgebissen. Der Sohn glaubt sich verhört zu haben. Der Zuschauer lacht.

Beim Sohn gibt es nichts Neues. Sie legen auf, der Sohn hat andere Sorgen, er hat seinen Job verloren. Seine Ex, Lisa, macht ihm Vorwürfe wegen den gemeinsamen Kindern. Der Zuschauer amüsiert sich.

Genauso langsam wie die Charaktere nimmt der Zuschauer wahr, dass hinter den „Unfällen“ des Vaters etwas anderes steckt, eine sich ausdehnende Verunsicherung über eine verstörende Orientierungslosigkeit im Leben, die einen zutiefst beunruhigenden Namen trägt: Demenz. Das Lachen weicht einer Betroffenheit. Die krankheitsbedingten Missverständnisse stehen für die Kommunikationsprobleme, die die Beziehungen zwischen den übrigen Figuren als Zeichen unserer Zeit prägen, beruhend auf dem ständigen, nur vermeintlichen Vorausahnen dessen, was der andere will.

Nis-Momme Stockmann, geboren 1981 auf Föhr, ist die große Dramatikerentdeckung der letzten Jahre. Nach einem Studium der Sprache und Kultur Tibets in Hamburg und der Medienwissenschaften in Odense widmet er sich dem Fach Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Bereits seine ersten drei Stücke werden vielfach ausgezeichnet, an zahlreichen Theatern nachgespielt und sind inzwischen in verschiedenen Sprachen übersetzt worden. „Der Mann der die Welt aß“ gewann u. a. beim Heidelberger Stückemarkt 2009 sowohl den Publikums- wie auch den Hauptpreis der Jury.

Einen weiteren Filmbericht (von TV-Emscher-Lippe) zum Stück und ein Interview mit Regisseur Ralf Ebeling sehen Sie hier

 

Hörprobe zu Der Mann der die Welt aß

Pressestimmen

„Das Westfälische Landestheater überzeugte auf der Hinterbühne des Theaters Marl mit einer berührenden, manchmal auch bedrückenden Premiere. (...) Julia Gutjahr zeigt einmal mehr, was für weit gespannte, auch extreme Gefühlsskalen sie auf der Bühne vermitteln kann. (...) Jürgen Mikol verkörpert das schlimme Schicksal vom krankheitsbedingten Verfall der Persönlichkeit mit anrührender Wärme und unsentimentaler Distanz zugleich. (...) So fühlen sich die Zuschauer nach diesen zwei Stunden mitgenommen von den Sorgen, Ängsten und Charakterdefiziten der Menschen.“
Stefan Pieper, MARLER ZEITUNG

„(…) Ein kluges, ein phänomenales Stück. Ausgefuchstes Psycho-Theater, das die großen Wehwehs unserer Zeit auflichtern lässt. (...) Wie jeder gute Autor fühlt Stockmann einer Gesellschaft auf den Zahn, schafft es aber, den Befund auf eine Familie zu projezieren. Ohne, dass es geschraubt wirkt, das ist die Kunst. (…).“
Kai-Uwe Brinkmann, RUHR NACHRICHTEN

„Während des Stücks von Nis-Momme Stockmann ist der Zuschauer hin- und hergerissen zwischen Belustigung und Beklemmung, zwischen Mitgefühl und Empörung. Die tragische Figur ist jedoch nicht in erster Linie der demenzkranke Vater, sondern vielmehr sein Sohn. (...) Bülent Özdil überzeugt als Sohn, der an seinem Leben scheitert. Glaubhaft stellt er die Zerissenheit und Verzweiflung, aber auch die Verschlagenheit des Charakters dar.“
Ulrike Dietz, WESTFÄLISCHER ANZEIGER

„Es geht in Ralf Ebelings zurückhaltend schattierter Inszenierung um die vielfältigen Ansprüche, funktionieren zu müssen - und um zwei, die einfach nicht mehr funktionieren können.“
Ralph Wilms, WAZ

Aufführungstermine

  • 19.09.2012 19.30hRadevormwald BürgerhausInfo IconBürgerhaus Radevormwald
    Schlossmacherstraße 4-5
    42477 Radevormwald

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