Mario und der Zauberer

Thomas Mann
Moderner Klassiker

Zum Stück

Ein Urlaub in Italien. Die Hoffnung auf entspannte Wochen der schönen Erholung zerplatzen für eine Familie aus Deutschland bereits in den ersten Tagen im Hotel. Nach dem Wechsel der Unterkunft begibt sich das Ehepaar, auf die Bitten des Sohnes hin, zu einer Varietévorstellung mit einem Zauberer.
Wo beginnt die Manipulation? Cipolla nennt sich der Magier, der die Touristen unterhalten soll. Aber schon bald wird den Gästen klar, dass zu seiner Zauberei auch die Hypnose gehört, die Mitspieler werden zu Opfern, die ohne eigenen Willen den Befehlen des Zampanos folgen. Die Show wird zu einem Versuchslabor, die Gäste zur Masse, die das Ereignis spannender finden, als den Widerstand gegen die Macht. Der Protest bleibt klein und überschaubar, die Naivität des Glaubens an die Einhaltung der etablierten Regeln sichert dem Führer oben auf der Bühne seinen Vorsprung. Alle folgen ihm, nur nicht Mario, der die Erniedrigung nicht erträgt, dem seine Liebe so wertvoll ist, dass er die Bloßstellung nicht zulassen kann. Der Schein des angeblichen Spiels explodiert in eine Katastrophe!

Thomas Manns Novelle gehört zu den Schlüsseltexten der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Es liegt nahe, den Text als Parabel auf das Verhältnis des Einzelnen in Bezug auf den Faschismus zu lesen. Er lässt sich aber noch weiter greifen und verhandelt letztendlich die Frage des Willens im öffentlichen Raum: “… die Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere.”

Thomas Mann (1875 – 1955) gilt als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Bereits mit seinen frühen Werken (z.B. “Buddenbrooks” 1901) wird er berühmt, auch wenn nicht alle seine Schriften eine gleichermaßen starke Resonanz erhalten. Als Schriftsteller von Weltrang ist er ab dem Jahr 1924 mit der Veröffentlichung des Romans “Der Zauberberg” etabliert. 1929 erhält er den Nobelpreis für Literatur. Unter der nationalsozialistischen Diktatur emigriert er in die USA und nimmt 1943 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.

 

Pressestimmen

„[…] Was folgt, ist aber kein politisches Traktat, sondern munterstes Theater, genährt vom sprachlichen Reichtum eines Meister-Literaten. […]
Sie erzählen, kommentieren, illustrieren, karikieren, schlüpfen in andere Figuren und spielen sich die Bälle zu. Ein Panoptikum von Typen im italienischen Badeort setzt sich zu einem Porträt einer Gesellschaft zusammen, der Thomas Manns Puls und Seele fühlt. […]
Stimmig, spannend, sehenswert.“
RUHR NACHRICHTEN, Kai-Uwe Brinkmann

„[…] Mario und der Zauberer“ ist am WLT so facettenreich wie die Persönlichkeit Thomas Manns, welche das großartige fünfköpfige Ensemble offenbart und dabei, wenn es sich nicht gerade als Geräuschemacher (lärmender Badebetrieb zur Hochsaison) oder Pantomimen (Schreckensherrschaft der unerbittlichen italienischen Sonne) betätigt, auch noch wechselweise als Erzähler auftritt oder, in kleinen Spielszenen, unmittelbar in die Figuren der Novelle schlüpft. Sophie Schmidt, Burghard Braun („Fuggiero!“: nicht nur als italienische Mama eine Wucht), Ensemble-Neuzugang Thomas Zimmer, Bülent Özdil und der herausragende Gast Gabriele Brüning werden all' diesen Rollen, zu denen im Kollektiv auch der Taschenspieler Cipolla gehört, in staunenswerter Selbstverständlichkeit gerecht. […]
"Mario und der Zauberer“ muss man gesehen haben. […]“
SONNTAGSNACHRICHTEN, Pitt Herrmann

„[…] Dann aber übernehmen die alter egos auf der Bühne, und es ist schon eine große Leistung, wie Manns komplexe Prosa vorgetragen wird. Da wechselt manchmal der Sprecher von einem Teilsatz auf den nächsten. Das geht flüssig und sehr gut artikuliert. Und es öffnet sogar den Text für feine Akzentuierungen. Wenn die fünf Manns davon erzählen, wie schlecht man sie in Torre di Venere behandelt hat, dann schwingen in der selbstgewissen Anklage Wehleidigkeit und Rechthaberei mit. Da spricht nicht mehr der souveräne Zeitkritiker, sondern der mäkelige Tourist. […]“
WESTFÄLISCHER ANZEIGER, Ralf Stiftel

„[…] Regisseur Markus Kopf achtet auf fast schon choreografische Disziplin seines Personals, gleichzeitig nötigt er ihm immer neue Wechsel der Genres und Stile ab, durchmischt also das Geschehen mit Pantomime, Körpertheater, Komik, Revue, Musiknummern, Sprachakrobatik, Zaubertricks - eine Lesung zum Zugucken. […]
Gabriele Brüning gelang bei der Premiere – zum dramatischen Schluss – ein großer Moment: Wenn Cipolla den hypnotisierten Kellner Mario vor Publikum dahin bringt, ihn, den Zauberer, für seine Liebste zu halten und zu küssen, kommt Mitleid auf – andersherum. Da wird in dem Täter das Opfer sichtbar: sein eigenes.
WAZ, Rainer Wanzelius

„Hohes, anspruchsvolles Theater konnten die Besucher erleben. […] Dabei gelang dem fünfköpfigen Ensemble eine durchaus spannende, vielschichtige Interpretation der Novelle. […] Das Publikum, dass von den Vorgängen auf der Bühne verstört, irritiert wirkt, bleibt aufgrund des faszinierenden Spiels des Ensembles als „verführter“ Zeuge mit dabei – eine gut herausgearbeitete Doppelbödigkeit. […] Eine Mahnung von gestern für heute, sich niemals jemandem so zu unterwerfen.“
KEVELAERER BLATT, Alexander Florié-Albrecht

Aufführungstermine