Die Verwandlung

Franz Kafka
Moderner Klassiker
Inszenierung Ralf Ebeling >> Ausstattung Jeremias Vondrlik >> Dramaturgie Christian Scholze >> Regieassistenz / Abendspielleitung Felix Sommer >> Gregor Samsa 1 / Erzähler Thomas Zimmer >> Gregor Samsa 2 / Erzähler Bülent Özdil >> Grete Samsa / Erzählerin Samira Hempel >> Herr Samsa / Erzähler Thomas Tiberius Meikl >> Frau Samsa / Erzählerin Vesna Buljevic >> Prokurist / Bedienerin / Zimmerherren / Erzählerin Pia Seiferth

Zum Stück

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.

Er kann sich nicht rühren, sein Bett nicht verlassen, auf unerklärliche Weise ist er zu einem Monster geworden. Oder ist das sein wahres Ich? Oder ist das, wie er sich selber sieht? Seine Bewegungsunfähigkeit zwingt ihn, sein Dasein zu reflektieren: Sein Beruf als Handelsvertreter, der ihn auffrisst, seine Familie, deren Ernährer er ist, sein Leben, das nur aus Abhängigkeitsverhältnissen besteht.

Doch viel Zeit bleibt ihm nicht, denn sein Vorgesetzter erscheint, um zu sehen, warum er nicht zur Arbeit erschienen ist. Als seine Eltern und seine Schwester ihn sehen, reagieren sie mit Entsetzen und Abscheu, sie sperren ihn in sein Zimmer, schließen ihn weg.
Und das ist erst der Anfang.

„Die Verwandlung“ ist eines der literarischen Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts. Die 1912 entstandene Erzählung ist nicht nur für das Gesamtwerk Kafkas von entscheidender Bedeutung, aufgrund der zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten funktioniert es als Metapher für die Selbstwahrnehmung des Menschen in der westeuropäischen Zivilisation bis heute.

Ein grandioser Text, der gerade auf der Bühne enorme Räume für Erkenntnisse und Einsichten bietet. Die Verbildlichung, mögliche Perspektivwechsel und die Verkörperung der Protagonisten lassen die Relevanz des Werkes für die heutige Zeit mehr als deutlich werden.

Franz Kafka ist einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er wird 1883 in Prag geboren und wächst dort auf. 1906 promoviert er in Jura, widmet sich aber schon in dieser Zeit der Schriftstellerei und veröffentlicht erste Werke. Zu seinen wichtigsten Werken gehören »der prozeß« (1915, erschienen 1925), »das schloss« (1922, erschienen 1926), »ein bericht für eine akademie« (1917) und »amerika« oder »der verschollene« (1911 – 1914, erschienen 1927).

 

Hörprobe zu Die Verwandlung

Pressestimmen

„[…] Der Einstieg erinnert an eine barocke Tokkata, die Texte verknoten sich, die Zuhörer müssen die Ohren spitzen. Es gibt aber noch die zweite Ebene, die einer alltäglichen, aber verborgenen Realität. […] Die wird als Schattenspiel hinter herabhängenden Gazevorhängen zelebriert, das wirkt so bürgerlich-geordnet, wie erschreckend. […] Ralf Ebelings Inszenierung verzichtet auf Festlegungen. Fingerzeige zum Verständnis bietet der Schluss. […]“
WAZ, Rainer Wanzelius

„[…] Kafkas präsurrealer Text wird mit einiger Phantasie auf die Bühne gebracht. Die Verdopplung des Helden ist der wirkungsvollste Kunstgriff. Thomas Zimmer und Bülent Özdil verkörpern sozusagen die Zersplitterung des unglücklichen Gregor. […]
Hinter den Leinwänden tritt die Familie auf. Geschickt rückt die Inszenierung die Zuschauer so in Gregors Rolle, gefangen in seinem Zimmer nehmen sie Vater, Mutter, Schwester Samsa als Schattenrisse war. […]
Insbesondere Zimmer und Özdil klammern, klettern, laufen, zeigen die irritierende Gefühlspalette des Verwandelten und agieren als Figurenspieler. […]“
WESTFÄLISCHER ANZEIGER, Ralf Stiftel

„[…] Mit einem kleinen, feinen Kniff gelingt die Visualisierung des eigentlich Unfassbaren. Links an der Bühne ist eine Puppenstube aufgebaut (Ausstattung: Jeremias Vondrlik). […]
Psychologischer Realismus kann bei diesem Sujet nicht greifen, es ist eine szenische Lesung, wenn auch eine durchaus lebendige, in der wir das Beklemmende von Gregors Mutation als leises Wispern hören. […]
Die Aufbereitung gefällt, die Sinnfrage müssen wir selbst beantworten.
RUHR NACHRICHTEN, Kai-Uwe Brinkmann

„[…] Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ ist in der Europastadt vom WLT-Intendanten Ralf Ebeling in einer ganz außergewöhnlichen, über achtzig Minuten hochspannenden Version inszeniert worden, die völlig vergessen lässt, warum dieses literarisches Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts wie zuvor Schillers „Kabale und Liebe“, Goethes „Iphigenie auf Tauris“ oder Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ ins Repertoire des Westfälischen Landestheaters aufgenommen worden ist: es gehört zum Kanon des Zentralabiturs. […]
Dem Dreier-Team aus Dramaturg, Regisseur und Ausstatter ist etwas verblüffendes gelungen: Indem es den verwandelten Gregor Samsa als leibhaftigen Käfer in der Puppenstuben-Miniatur zeigt und zugleich darstellerisch doppelt, verliert die Figur alle Wesensmerkmale eines „Untiers“, wie es noch in Kafkas Erzählung heißt. Gregor mutiert am WLT zu einem verlorenen Menschen, der sich am Ende aus Rücksicht, vielleicht gar aus Liebe zu seiner Familie, still in sein Schicksal fügt. […]“
SONNTAGSNACHRICHTEN, Pitt Herrmann

Aufführungstermine