Bühne raus...! 2014 - Interview Kostümabteilung

Die Endprobenwoche des musikalischen Stücks „Let’s spend the night together-Die Stones Show“ ist in vollem Gange. Im Westfälischen Landestheater hat man in den letzten Tagen überall die rockige Stones-Musik von den Proben aus der Stadthalle über die Flure schallen gehört. Jetzt ist erstmal die Ruhe vor dem Sturm eingetreten, da das gesamte Bühnenbild auf den Altstadtmarktplatz gebracht wird und die letzte Probe, die Generalprobe, erst vor Ort auf der fertigen Bühne stattfinden kann. Dort haben die Bühnentechniker schon ordentlich damit zu tun, die riesige, überdachte Bühne aufzubauen.
Maud Herrlein, Abteilungsleiterin in der Kostümabteilung des Westfälischen Landestheaters, nimmt unterdessen mit ihren Mitarbeiterinnen die letzten, kleinen Änderungen an den Kostümen vor.

Was ist die Tätigkeit Ihrer Abteilung, wenn Sie sich nicht gerade in den Endproben befinden?
Zu Beginn einer jeden Produktion kommen die Bühnenbildner zu uns, mit denen wir ihre Vorstellungen anhand von Figurinen besprechen – das sind Skizzen von den Rollen bzw. Schauspielern mit den jeweiligen Kostümen. Das können manchmal auch sehr anspruchsvolle und herausfordernde Ideen sein aber ein „gibt es nicht“, gibt es bei uns nicht! Gemeinsam erarbeiten wir dann einen Schnitt und entscheiden, welche Materialien wir dafür verwenden. Die Stoffe werden bestellt und in der Zwischenzeit stellen wir nach Maß und von Hand einen Schnitt auf, eine Art technische Zeichnung, die ganz genau auf den jeweiligen Schauspieler passt. Anhand dessen erstellen wir das Modell, vorerst aus günstigem Stoff, um ein wenig daran herumexperimentieren zu können. In der Anprobe mit dem Schauspieler wird schließlich alles nochmal genau abgesteckt und gegebenenfalls geändert, um anschließend das passgenaue Modell mit dem tatsächlichen Stoff nähen zu können.

Gab es in den letzten Tagen vor „Let’s spend the night together-Die Stones Show“ noch viel zu tun?
In den Endprobenwochen schauen wir immer, ob das Kostüm noch gut sitzt, ob der Schauspieler noch die gleichen Maße hat oder ob sich beispielsweise gezeigt hat, dass er sich mit dem Kostüm nicht perfekt auf der Bühne bewegen kann. Sogenannte Durchläufe, in denen das Stück komplett gespielt wird, finden auch immer zu diesem Zeitpunkt statt. Dadurch hat sich in der Stones Show erst in der letzten Woche gezeigt, dass manche Umzüge der Schauspieler von einer in die nächste Rolle so schnell passieren müssen, dass sie das mit den aktuellen Kostümen nicht bewältigen konnten. Da mussten wir also nochmal ran und in unsere Trickkiste greifen. Zum Beispiel haben wir eine Krawatte an ein Hemd genäht oder Kleidungsstücke mit Klettband statt Knöpfen oder Reißverschlüssen verbunden, um das Umziehen leichter und schneller zu machen. Wir hatten auch noch das Problem, dass einige Kostüme auf der Bühne wesentlich mehr Sexappeal hatten, als andere. Das haben wir vor ein paar Tagen noch angeglichen, in dem wir ein paar Ausschnitte größer gemacht, Röcke gekürzt und knalligere Strumpfhosen ausgewählt haben.

Macht es einen Unterschied, ob Sie Kostüme für das Theater oder für Open-Air Stücke schneidern?
Ob wir draußen oder drinnen spielen, betrifft unsere Abteilung nicht so richtig. Wenn es kalt ist, geben wir den Schauspielern hinter der Bühne Bademänteln und Decken oder wenn sie sehr freizügige Kostüme tragen, bekommen sie bei kühlen Temperaturen durchsichtige Trikots, die dann ein bisschen wärmen. Aber mehr können wir da nicht machen, da müssen die Schauspieler dann leider durch. Aber bei „Let’s spend the night together“ mache ich mir nicht so viele Sorgen, schließlich wird da auf der Bühne ordentlich gerockt!