Bühne raus...! 2014 - Interview Regieassistenz

Interview mit Felix Sommer, Regieassistent am Westfälischen Landestheater

Was ist Ihre Aufgabe bei „Let’s spend the night together – Die Stones Show“?
Ich habe die Proben des Stücks von Anfang an organisiert und werde das Stück nicht nur bei der Premiere, sondern auch bei allen weiteren Vorstellungsterminen begleiten. Während der Probenzeit habe ich die Probebühne eingerichtet und das sogenannte Regiebuch geführt, in dem alle für das Stück relevanten Anmerkungen wie Positionen und Gänge der Schauspieler, Requisiten oder Musik- und Lichteinsätze notiert sind. Außerdem habe ich vor Probenbeginn, zusammen mit dem Regisseur und dem Künstlerischen Betriebsbüro, die Probendisposition geschrieben. Darin wird die uns für die Produktion zu Verfügung stehende Probenzeit für das Ensemble komplett durchgeplant. Ich stehe generell zwischen der Produktion und den einzelnen Abteilungen, denen ich ihre Aufgaben zutrage, als Kommunikator. Ich organisiere weniger die Dinge selbst, als dass ich das Organisieren organisiere. Die eigentlichen Entscheidungen treffe ich selbst aber selten. Das direkte Künstlerische ist eher weniger meine Baustelle. Ich hab aber auch schon genug mit den Anliegen und Problemen von meinen KollegInnen zu tun, da bin ich ganz froh, dass ich selbst nicht so stark als Künstler in die Produktion involviert bin.

Was ist noch zu tun bis zur Premiere am Freitag?
Glücklicherweise relativ wenig! Da wir die Generalprobe in der Stadthalle jetzt schon hatten, sind wir mit der Produktion fast fertig. Jetzt fehlt nur noch die zweite Generalprobe auf dem Altstadtmarktplatz, um zumindest einmal unter den tatsächlichen OpenAir-Bedingungen proben zu können. Weil im Stück alle Musiker doppelt besetzt sind, gab es heute außerdem nochmal eine Bandprobe, damit am Ende alle gleich gut spielen – immerhin besteht das Stück zu 3/5 aus Musik! Deshalb hätten wir gern auch heute nochmal einen Durchlauf gemacht. Das war nur leider nicht möglich, weil es wegen des starken Unwetters viele KollegInnen nicht rechtzeitig bis zum Theater geschafft haben. Sowas passiert dann leider auch schon mal… Das Einzige, was ich jetzt noch zu tun habe, ist die Applausordnung vorzubereiten. Und dann ist am Freitag Premiere. Wenn es dann Sturm oder Gewitter gibt, wird die Vorstellung ausfallen müssen und es gibt Nachholtermine in der Stadthalle. Wenn es aber nur ein bisschen regnet, findet die Vorstellung statt – solange niemand, weder Zuschauer noch Künstler, gefährdet sind, spielen wir bei jedem Wetter. Das ist halt Open Air, das ist immer ein Risiko… Die „Rocky Horror Show“ hätten wir im letzten Jahr bereits absagen müssen, wenn es stark geregnet hätte. Das wäre mit all den „Rocky-Regeln“ (Reis, Klopapier etc. auf die Bühne werfen) für die Tänzer und Schauspieler viel zu gefährlich geworden.

Was ist die Herausforderung in Ihrem Job?
Das Tolle und gleichzeitig das Schwierige an meinem am Job ist das Unvorhersehbare. Ich sehe mich manchmal als „Eierlegende Wollmilchsau“: Es ist nicht alles vorausplanbar, vieles entsteht erst während der Proben und erst dann kann ich entsprechend darauf reagieren. Ich sehe die Proben und Vorstellungen auch immer als eine sehr abwechslungsreiche und spannende Auszeit vom Privatleben. Das kann unglaublich entspannend sein!

Was haben Sie am Premierenabend zu tun?
Da werde ich im Vergleich zu anderen Produktionen nicht mehr allzu viel zu tun haben. Ich sage allen Beteiligten, wann die Vorstellung beginnt und gebe dann allen Abteilungen den Startschuss. Ansonsten bin ich anwesend, um mich darum zu kümmern, dass alles reibungslos funktioniert. Bei der Premiere bleibe ich aber hinter der Bühne. Ich schaue mir das Stück erst ab der zweiten Vorstellung aus dem Zuschauerbereich an, das bringt sonst Unglück. In den anschließenden Aufführungen sitze ich dann für die sogenannte Abendregie im Zuschauerbereich – sozusagen als ständige Qualitätskontrolle – um dem Ensemble eine Rückmeldung geben zu können, ob alles weiterhin optimal abläuft.

Was wird Ihnen von dieser Produktion in Erinnerung bleiben?
Wenn man mal schlecht gelaunt auf die Probe kommt und hört die Musik der Stones, entweder live vom Lippe Saiten-Orchester oder vom Band, ist die Laune schlagartig besser!