Bühne raus...! 2014 - Interview Requsite

Die Zeit rast: In nur knapp einer Woche, am 13. Juni, findet die Premiere von „Let’s spend the night together – Die Stones Show“ auf dem Altstadtmarktplatz statt. Obwohl sich das Westfälische Landestheater bereits vor über einem Jahr dafür entschieden hat, das Stück zu schreiben und auf die Bühne zu bringen, geht es in den sogenannten „Endproben“ sehr geschäftig zu und es bleibt noch eine Menge zu tun. Seit vergangenem Montag proben die WLT-ler jeden Tag von 10-14 Uhr und nach einer Pause wieder von 19-22 Uhr. Das schweißt zusammen und ermöglicht den ca. 35 direkt und künstlerisch am Stück beteiligten MitarbeiterInnen, ganz konzentriert am Stück zu arbeiten und alles zusammenzufügen, woran in den letzten Monaten gearbeitet wurde. Schauspieler, Regisseur, Regieassistent, Bühnenbildnerin, Souffleuse sowie die Abteilungen Bühnentechnik, Beleuchtung, Maske, Ton, Schneiderei, Schreinerei, Malersaal und Schlosserei befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Zielgeraden. Die Abteilung Requisite, im Abendtheater bestehend aus einer Person, Amrei Vollmerhaus, hat in dieser Zeit noch alle Hände voll zu tun.

In sieben Tagen feiert das WLT Premiere. Was ist bis dahin noch zu tun?
In der Requisite habe ich mich zu Beginn der Woche darum gekümmert, dass die Darsteller mit den Originalrequisiten arbeiten können. Bis zur Endprobenwoche gibt es immer nur Proberequisiten, anhand derer wir dann herausfinden, welche Variante die beste ist. Das heißt im Detail, dass ich jetzt beispielsweise eine originale Zeitung von 1975 bei der Redaktion bestellt habe, in der über das Rolling Stones Konzert in der Essener Grugahalle berichtet wurde. In den Proben war das natürlich eine nicht so historisch wertvolle Ausgabe. Für eine Szene, in der Seifenblasen aus ganz schmalen Flaschen gepustet werden sollen, suche ich gerade noch nach einer Lösung. Die normalen Seifenblasenträger sind dafür entweder zur kurz oder zu breit. Vermutlich werde ich da noch etwas absägen müssen oder – falls nichts Gekauftes unsere Wünsche erfüllen kann – selber bauen.

Welche Requisiten waren in letzter Zeit am schwierigsten herzustellen?
Für unsere Bühne raus…! – Premiere im letzten Jahr, die Rocky Horror Show, sollte es zum Beispiel einer Giftspritze geben, die die Leute versteinert und so aussieht, als wäre sie einem Comic entsprungen. Die habe ich dann aus Abflussrohren gemacht, die ich zersägt und wieder zusammengebaut habe. Danach habe ich noch Luftschlangenspray eingebaut und fertig war die Comic-Giftspritze.

Was gehört außerdem zu Ihrem Aufgabenbereich?
Ich pflege den Requistenfundus und mache die Kalkulation aller Requisiten. Außerdem betreue ich die Stücke des Abendtheaters vor Ort, wenn wir unterwegs sind. Schließlich kann es schon mal vorkommen, dass in einem Stück bis zu 200 Requisiten auftauchen; diesen Ablauf organisiere ich dann vor und während der Vorstellung.
Für diesen Beruf braucht man auf jeden Fall Vorstellungsvermögen, man sollte kommunikativ sein und Stilkunde besitzen, damit man die Requisiten zeitlich richtig einordnen kann. Man muss außerdem mit den Schauspielern umgehen können. Man sollte beispielsweise auch wissen, ob die Darsteller auf irgendetwas allergisch sind, weil es häufiger mal etwas zu essen auf der Bühne gibt, das organisiere ich dann auch.

Was ist für die Requisite bei „Bühne raus…!“ besonders anspruchsvoll?
Es ist wichtig, dass alle Requisiten wetterfest sind oder dass man sie schnell wetterfest verpacken kann, falls es wirklich regnen sollte. Das spannendste ist aber in diesem Kontext die Pyrotechnik, für die ich auch verantwortlich bin. Ich musste mir im Vorhinein überlegen, wie ich sie so bauen kann, dass die Effekte sowohl auf kleinen als auch auf großen Bühnen funktionieren, da wir ja mit dem Stück „Let’s spend the night together“ nach der Premiere viel unterwegs sind. Dabei muss der Sicherheitsabstand zu Schauspielern und Zuschauern eingehalten werden. Gleichzeitig soll die Pyrotechnik aber effektvoll genug und für alle sichtbar sein. Dann kommt noch hinzu, dass die Zuschauer die Pyroanlagen nicht sehen soll. Ich habe also Vorrichtungen gebaut, die im Design des Bühnenbilds gestaltet sind und in denen die Technik versteckt ist. Jetzt müssen wir nur noch schauen, wie das Ganze auf dem Marktplatz wirkt, zurzeit proben wir ja noch in der Stadthalle.