Vor dem Fest

Nach Saša Stanišić

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Ein kleines Dorf. Einwohnerzahl: ungerade. Tendenz: Abnehmend. Die Jungen gehen, die Alten sterben. Es könnte überall sein. Die Reichtümer bleiben: Die Eigenarten und Skurrilitäten derjenigen, die da sind. Es ist die Nacht vor dem Fest. Keiner weiß, was eigentlich gefeiert wird. Aber das seit Jahrhunderten. Wer in dieser Nacht unterwegs ist, hat noch etwas zu erledigen, muss etwas klären oder zu Ende bringen.

Ins Dorfarchiv ist eingebrochen worden. Keiner hat etwas gesehen. Doch nun sind alte Geschichten entkommen und verfolgen die Schlaflosen. Sie treffen aufeinander, die Alteingesessenen und Zugezogenen, die Gestorbenen und Lebenden. Es ist die Nacht der alten Mythen und heutigen Wahrheiten, schräg, poetisch, manchmal traurig, manchmal heiter, immer existenziell.

Der Glöckner und sein Lehrling, die sich nicht mögen, müssen die Glocken läuten. Doch die sind verschwunden und wer organisiert jetzt den Alltag im Dorf? Der ehemalige Oberstleutnant der NVA, Schramm, der mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen findet. Kippen oder Kopfschuss. Aber alles muss seine Ordnung haben. Lieber erschießt er den Zigarettenautomaten. Lada, der Lada heißt, weil er als Dreizehnjähriger mit einem Lada nach Dänemark gefahren ist. Frau Kranz, die immer nur das Dorf gemalt hat, hunderte Bilder, will zum ersten Mal ein Nachtbild malen.

Ein Kaleidoskop der Stimmen, in dem sich alles ständig ändert und doch alles gleich bleibt. So, wie wir alle es kennen, so wie es im Leben ist. Ein Reigen menschlicher Kuriositäten. In jedem Dorf lässt sich die Magie des Miteinanders finden, in jeder kleinen Stadt alle Geheimnisse und Antworten des menschlichen Daseins. Ein ineinanderfließen von Mythen und Historien, ein Tanz der Komik mit der Tragik, alles immer beieinander, jeder Mensch ein Schatz aus sich ergänzenden Gegensätzlichkeiten.

Saša Stanišić, 1978 in Visegrad in Bosnien-Herzegowina geboren, lebt seit 1992 in Deutschland. Er ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren. Für den Roman „Vor dem Fest“ wurde er u.a. mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erhielt er für seinen Roman „Herkunft“ den Deutschen Buchpreis. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

Gewinner Deutscher Buchpreis
 

Aufführungstermine

  • 11.04.2021 18.00hCastrop-Rauxel StadthalleInfo Icon
  • 10.05.2021 20.00hCastrop-Rauxel StadthalleInfo Icon