Unterwerfung

Michel Houellebecq, bearbeitet für das Theater von Gert Becker
Inszenierung Gert BeckerAusstattung Elke KönigDramaturgie Christian ScholzeRegieassistenz / Abendspielleitung Mike KühneFrançois / Steve / Marie-Françoise / Godefroy Lempereur Maximilian von UlardtFrançois Mario ThomanekFrançois / Ein Schwarzer / David Pujadas / Alain Tanneur / Robert Rediger Burghard BraunFrançois / Aurélie / Myriam / Frau im Hotel / Manuel Valls / Regierungssprecherin / Bastien Lancoue / Aïcha / Malika Franziska Ferrari

Zum Stück

Frankreich im Jahr 2022. Das Land steht vor gewaltigen Umwälzungen. Bei den Präsidentschaftswahlen konkurrieren in der Stichwahl die Kandidaten des Front National und der Muslim-Bruderschaft. In den Städten brodelt der Volkszorn, die Konflikte werden mit aller Gewalt ausgetragen, das Land befindet sich am Rande eines Bürgerkriegs.

Der Literaturwissenschaftler François verfolgt die Geschehnisse eher am Rande. Er ist ein von den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen desillusionierter Akademiker, der sich nur noch um seine Forschungen und die wechselnden Beziehungen zu seinen Studentinnen kümmert.
Um den Sieg der Rechtsradikalen zu verhindern, wenden sich die Sozialisten dem charismatischen Führer der Muslim-Bruderschaft Mohammed Ben Abbes zu und verhelfen ihm zum Sieg. In der Folge wird die Verfassung geändert, die Theokratie eingeführt, die Scharia, das Patriarchat und die Polygamie. Schon bald zeigen die Veränderungen Wirkung, die Kriminalitätsrate und die Arbeitslosigkeit sinken, das gesellschaftliche Klima beruhigt sich. Es zeigt sich, dass, entgegen aller Horrorszenarien, die neue Regierung auch der bürgerlichen Mitte längst verloren geglaubte Werte bieten kann.
Teil der Umwälzungen ist das Bedürfnis, das Bildungsniveau zu steigern. So bekommt François eine neue, sehr attraktive Stelle angeboten. Wenn er zum Islam konvertiert, werden ihm Forschungsprojekte ermöglicht, sein Gehalt erhöht, alle Wünsche erfüllt. Er steht vor der Frage, ob das der Beginn eines neuen positiven Lebensabschnitts ist oder die Unterwerfung unter ein System, das seinen imaginierten Überzeugungen diametral entgegengesetzt ist.

Mit seinem Roman „Unterwerfung“ hat Michel Houellebecq die visionärste Zuspitzung der gesellschaftlichen Entwicklung in Europa unserer Zeit vorgelegt, die ein Schriftsteller in den letzten Jahren entworfen hat. Er entwickelt satirisch und phantasievoll ein Szenarium, das den Spagat schafft zwischen dem Beängstigendem und dem Vorstellbaren und wird dabei mit rasenden Schritten von der Realität eingeholt.

Michel Houellebecq (geb. 1956) ist einer der am kontroversesten diskutierten Autoren unserer Zeit. Mit seinen Romanen “Ausweitung der Kampfzone” und “Elementarteilchen”, die beide mit internationalen Stars verfilmt wurden, erlangte er weltweit Berühmtheit. “Plattform” und “Die Möglichkeit einer Insel” wurden vielfach ausgezeichnet. Die Veröffentlichung des inzwischen erfolgreichsten europäischen Romans des Jahres 2015 erfolgte am selben Tag, an dem der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo ereignete. In der Folge distanzierte sich Houellebecq von jeder islamophoben Interpretation seines Werkes.

Stückdauer 1 Stunde 45 Minuten ohne Pause

Zeit- genössiches Stück

Pressestimmen

„Regisseur Gert Becker, der jede Festlegung auf eine der Deutungs-Optionen Vision oder Satire vermeidet, löst die Monolog-Form […] bravourös auf. Um alle Facetten des Protagonisten aufzuzeigen, gibt es den Literaturprofessor vier Mal, wobei Maximilian von Ulardt, Franziska Ferrari und der überragende Burghard Braun auch die Parts bedeutender oder nachrangiger Nebenfiguren übernehmen. Die einfallsreiche, nie in Slapstick abgleitende Personenführung auf dem Sofa ist ein Erlebnis für sich. Vor allem aber ist es ein Abend der Sprache und der ungeheuren Sprechkunst eines großartigen Ensembles. Einen solchen Premierenbeifall hat das WLT lange nicht erlebt.“
WAZ, Wolfgang Platzeck

„Gert Beckers Textversion […] drängt uns keine Lesart auf, wahrt Vielschichtigkeit und Ambivalenz des Buches und bietet auch Nichtlesern einen guten Einblick in Houellebecqs Stil und Gedanken, wie die Premiere am Samstag deutlich machte. […] Sprachlich legt das Quartett eine saubere Leistung hin: hellwach, akzentuiert, mit Tempo bringen sie den Sarkasmus schön gewitzt zum Klingen. In Spiel und Mimik legen sie noch eine Schippe Comedy drauf. […] Viel, viel Beifall.“
Ruhr Nachrichten, Kai-Uwe Brinkmann

„Einzige Kulisse ist ein überdimensionales rotes Sofa. Hier spielt man sitzend, liegend, stehend, mit großem körperlichem Einsatz über die fast zwei Stunden Spielzeit hinweg. Die karge Bühne tut der Konzentration auf Houellebecqs unerhörtes Phantasiegebäude gut. Und sie hat ihren nicht kleinen Anteil daran, dass Gert Becker mit seiner „Unterwerfung“ ein überzeugendes, verstörendes, durchaus aber auch unterhaltsames Stück Theater gelungen ist. Herzlicher, anhaltender Applaus.“
Westfälischer Anzeiger, Rolf Pfeiffer

“In der Kritik stehen weder der Islam, noch die Rechtspopulisten, sondern jeder Einzelne, der das große Ganze nicht sehen will, weil er meint, es ginge ihn nichts an und sich mit einfachen Antworten und falschen Versprechungen zufriedengibt. Beckers Version von “Unterwerfung” ist unbedingt zu empfehlen, nicht zuletzt wegen der großartigen Leistung der vier Darsteller.”
Herner Sonntagsnachrichten, Miriam Zumbusch

Aufführungstermine

  • 10.02.2018 20.00hCastrop-Rauxel StudioInfo Icon
  • 20.02.2018 19.30hRheine StadthalleInfo Icon
  • 23.02.2018 20.00hCastrop-Rauxel StadthalleInfo Icon
  • 02.03.2018 20.00hBocholt Städtisches BühnenhausInfo Icon
  • 10.03.2018 19.30hSulingen Stadttheater im GymnasiumInfo Icon
  • 19.03.2018 20.00hMinden StadttheaterInfo Icon
  • 20.03.2018 20.00hWarendorf TheaterInfo Icon
  • 15.04.2018 20.00hBrilon KolpinghausInfo Icon
  • 23.05.2018 19.30hWolfenbüttel LessingtheaterInfo Icon
  • 24.05.2018 19.30hWolfenbüttel LessingtheaterInfo Icon
  • 08.01.2019 20.00hSiegen Apollo-Theater Info Icon
  • 04.09.2019 20.00hGummersbach Halle 32Info Icon
  • 13.01.2020 19.30hBad Nenndorf KurtheaterInfo Icon
  • 25.02.2020 20.00hIserlohn ParktheaterInfo Icon