Lesung "Die Todesstrafe in Texas"

Zum Stück

Die Aktivistin und Autorin Gabi Uhl befasst sich seit Mitte der neunziger Jahre mit dem Thema Todesstrafe. Ihr ist es über die Jahre gelungen, über lange Zeiträume intensive Kontakte mit zum Tode verurteilten Straftätern in Texas, USA aufzubauen und zu pflegen. Dies geschah einerseits über Brieffreundschaften, vor allem aber durch regelmäßige Besuche. Viele Jahre lang reiste sie zweimal im Jahr nach Texas, um ihren Freunde in den Gefängnissen zu zeigen, dass es Menschen gibt, die ihnen zur Seite stehen. In ihrem Buch „Die Todesstrafe in Texas“ beschreibt sie diese Kontakte.

Im Mittelpunkt steht die Freundschaft mit Willie, den sie schließlich als Zeugin bis zu seiner Hinrichtung begleiten darf. Durch die Beschreibungen der Besuche bekommt man starke Eindrücke der Inhaftierten, man erkennt die Menschen, ihre Vorlieben, Schwächen und Stärken, ihre Eigenschaften, Bedürfnisse und Nöte. In der Regel vergehen zwischen der Verurteilung zum Tode und der Vollstreckung des Urteils viele Jahre. Diese sind geprägt von einem sehr isolierten Leben mit zahlreichen Höhen und Tiefen. Immer wieder gibt es Hoffnungen, dass das Urteil vielleicht doch revidiert wird, der Einzelne befindet sich in einer permanenten Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit, dem Wert des Lebens an sich und dem ständigen Warten auf die Terminierung der Hinrichtung. Zusätzlich bekommt man einen Einblick darin, wie der Alltag der Verurteilten aussieht. Letztendlich entwickelt man eine Nähe zu den Personen, empfindet mit ihnen und begreift, wie grausam es ist, wenn ein Staat ein Recht für sich beansprucht, anderen Mitgliedern der Gesellschaft das Leben zu nehmen. Dabei geht es nie darum, die Schwere ihrer Verbrechen zu bewerten. Das Thema ist die moralische Komponente des menschlichen Miteinanders in unserer heutigen Zeit.

Diese Beschreibung der Situationen der Inhaftierten in Texas funktionieren sehr gut als Metapher für all die Menschen, die in den Gefängnissen der Welt auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile warten.

 

Aufführungstermine