Im Gespräch mit Urs Alexander Schleiff

“Wir wollen den Leuten Lust machen, diesen Weg zu gehen“

Regisseur Urs Schleiff spricht über seine Inszenierung von Ich bin dann mal weg am WLT

Am Samstag, 8. Dezember um 20 Uhr feiert die Bühnenadaption von Hape Kerkelings Reisetagebuch “Ich bin dann mal weg” Premiere in der Stadthalle Castrop-Rauxel. Wir haben Regisseur Urs Alexander Schleiff zu einem Interview über seine zweite Inszenierung am WLT getroffen.

WLT: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand das Buch nicht kennt, wovon handelt das Stück?
Urs: In erster Linie geht es um den Jakobsweg, der mittlerweile fast zu einem Mythos geworden ist. Wahnsinnig viele Menschen sind den Weg in den letzten Jahrzehnten gelaufen. Wie Hape Kerkeling eben: Er war an einem Punkt in der Karriere angelangt, wo es ihm gesundheitlich schlecht ging und er sich diese Auszeit genommen hat. Was er dort genau gesucht hat, kann man gar nicht sagen. Ich glaube, das wusste er selbst nicht bis zu dem Zeitpunkt. Anne fragt ihn irgendwann im Laufe der Reise „Was glaubst du, gefunden zu haben?“ und er sagt den schönen Satz, „Ich habe Freunde gefunden. Daran glaube ich und deswegen hat sich dieser Weg für mich gelohnt.“ In einem späteren Interview hat er gesagt, er hätte keine Angst vor der Zukunft. Diese Erkenntnis hat der Weg ihm gebracht. Er hat vieles hinter sich gelassen. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir Hape Kerkelings Tagebuch als Stück umsetzen. Es geht um die Begegnungen mit den Menschen und darauf haben wir uns konzentriert.

WLT: Worauf können sich die Fans des Buches freuen?
Urs: Es wird viel aus dem Buch zum Wiedererkennen geben. Wir folgen ihm chronologisch und haben uns die besten Szenen rausgepickt. Die Essenz sind vor allen Dingen die Begegnungen, besonders jene mit Anne und Sheelagh, mit denen Hape die letzten Tage gemeinsam gegangen ist. Aber auch Ruco Urco, der verrückte Peruaner, wird vorkommen. Die wichtigsten Figuren sind im Stück.

WLT: „Als Tagebuch ist es nicht einfach zu inszenieren, ähnlich schwierig wie ein Telefonbuch zu verfilmen“, hast du bei der Leseprobe gesagt. Worin lagen die Herausforderungen?
Die erste Schwierigkeit war schon, aus dem Buch Dialoge zu formen. Die Szenen, die im Buch relativ kurz sind, müssen ja dialogisiert werden. Auch eine Bühne zu schaffen, einen Raum, in dem das alles möglich ist, war eine Herausforderung. Hape ist der Fixpunkte der Inszenierung. Alle Figuren kommen zu ihm.

WLT: „Als Mensch interessiert er mich sehr“, hast du bei der Leseprobe gesagt. Was macht Hape Kerkeling deiner Meinung nach so beliebt und interessant?
Er ist einfach ein Mensch. Ich habe ihn mal ganz kurz auf einer Filmpremiere gesehen und hätte ihn gerne kennengelernt. Hape Kerkeling sagt über sich selbst, dass er kein Profi ist, kein Schauspieler oder Sänger. Aber er macht alles mit einer sehr großen Leidenschaft und einer riesigen Freude. Seine Figuren, die er geschaffen hat, seien es Beatrix, Horst Schlämmer oder Hannilein sind einfach Kult. Vielleicht ist es auch diese Volksnähe. Das Wichtigste ist, dass er ein Mensch ist wie jeder andere.

WLT: Was sind die Besonderheiten der Inszenierung? Es soll ja eine Mischung aus Theater, Film und Musik geben.
Ich habe überlegt, wie ich den Stoff theatralisch spannend umsetzen kann. Wir unterstützen das Bühnengeschehen mit Musik, Fotos und Film. Das ist im Prinzip auch unser Bühnenbild. Wir haben einen schwarzen Raum und Wände, die sich bewegen können und auf die Sachen projiziert werden, wie eine Kirche oder das Flackern einer Kerze.

WLT: Im Buch gibt es viele innere Monologe von Hape. Wie baut ihr diesen entscheidenden Aspekt des Buches in die Bühnenversion ein?
Am Anfang wird es einige Monologe geben, um in die Geschichte einzutauchen. Im Laufe des Stückes werden diese dann aber immer weniger und die Begegnungen rücken in den Mittelpunkt. Es wird für den Zuschauer aber sehr deutlich werden, dass es sich um ein Tagebuch handelt. Das Datum und die Etappe des Tages werden eingeblendet, so dass man die Szene einordnen kann.

Eine Besonderheit für das Publikum: Auf der Bühne wird es einen Wegweiser geben, der sich auch im Foyer wiederfinden wird. Die Zuschauer können dort ihre Wünsche niederschreiben oder sich verewigen. Der Wegweiser geht dann auch zusammen mit dem Stück auf die Reise zu den Gastspielorten. Er stellt eine besondere Art des Gästebuchs dar.

Die Premiere ist bereits ausverkauft. Karten gibt es zum Preis von 20€ (erm. 16€) für Samstag, 5. Januar um 20 Uhr im WLT-Studio.

Reservierungen an der Theaterkasse: Vanessa Meiritz, 02305-978020 oder meiritz@westfaelisches-landestheater.de.