„Die Zertrennlichen“ erzählt mit feiner Poesie von Rassismus
24.9.2026 Was ist wohl aus Sabah geworden? Romain muss an sie denken, als er verlassen wird. Er macht sich auf die Suche nach seiner Freundin aus Kindertagen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Am Westfälischen Landestheater proben aktuell Charlotte Dittmer als Sabah und David Kiefer als Romain gemeinsam mit Regisseurin Dalila Niksic das Stück „Die Zertrennlichen“ des französischen Autors Fabrice Melquiot. Ein Stück, das oft als zeitgemäße Romeo und Julia-Variante bezeichnet wird.
Sabah ist ein Mädchen mit algerischen Wurzeln, Romain ein französischer Junge. Sie sind neun Jahre alt und wohnen Tür an Tür in einer Hochhaussiedlung in Frankreich. Das Stück erzählt von ihrer tiefen Freundschaft, vom Verlieben und davon, wie Rassismus trotz aller Zuneigung Menschen trennen kann. Fabrice Melquiot verwebt Realität und Erinnerung, Leichtigkeit und Schmerz, Ernst und zärtlichen Humor zu einem eindrucksvollen Kammerspiel. „Das Grundthema ist Freundschaft, die im Laufe des Stücks sehr schön heranwächst, nicht ohne Hindernisse“, schildert Dalila Niksic.
Um sich dem Thema zu nähern, hat Dalila Niksic Kontakt zu einem Bekannten aufgenommen, dessen Familie aus Algerien stammt und ein paar Jahre in Frankreich gelebt hat. „Dann können wir etwas erfahren aus seiner Perspektive und vielleicht auch Informationen bekommen über Dinge, die im Stücktext stehen“, so die Regisseurin.
Leichte Atmosphäre trotz schwerer Thematik
Gemeinsam mit Ausstatterin Christina Kirk entwickelt Dalila Niksic eine Inszenierung, die von der feinsinnigen Sprache des Stücks inspiriert ist. „Obwohl es ein politisches und an sich schweres Thema beinhaltet, ist es in einer kindlichen Poesie geschrieben. Als ich mit Christina über die Ausstattung gesprochen habe, habe ich mich selbst etwas gewundert, dass ich als Erstes die Assoziation von etwas ganz Leichtem hatte“, schilderte die Regisseurin zum Probenstart am WLT.
Das Bühnenbild wird mit Kissen und einem Paravent verschiedene Räume andeuten, zum Beispiel Hochhäuser und zwei Kinderzimmer. Die Stoffe in warmen Farben greifen algerische Muster auf. Es entsteht ein Umfeld, in dem Kinder Buden bauen und Unterschiede sich miteinander verbinden können.
In Rückblenden erzählt das Stück aus der Perspektive von Romain die Geschichte dieser »zertrennlichen« Verbindung – vom ersten Kuss, den geteilten Kindheitserinnerungen, bis zu den gesellschaftlichen und familiären Konflikten, die ihre Beziehung zunehmend belasten.
Fabrice Melquiot ist einer der bekanntesten französischen Gegenwartsdramatiker. »Die Zertrennlichen« gewann im Herbst 2018 den Grand Prix de Littérature dramatique Jeunesse und den Deutschen Kindertheaterpreis.
Karten für die Premiere von "Die Zertrennlichen" für alle ab 10 Jahren am Samstag, 24. Oktober, um 15 Uhr im WLT-Studio sind ab sofort erhältlich, online auf der WLT-Website und an der Theaterkasse unter Tel.: 02305.9780-20 oder per E-Mail an: tickets_at_westfaelisches-landestheater.de
Fotos: Volker Beushausen




