WLT: Kleists Klassiker DER ZERBROCHNE KRUG sehr lebendig „Das mehr als 200 Jahre alte Stück offenbart trotz aller verqueren Komik erschütternd aktuelle Interpretationsansätze. […] Das ausgezeichnete Ensemble des WLT agiert wieder einmal absolut überzeugend und trägt den gut 200 Jahre alten Stoff ausgesprochen eindrücklich an das Premierenpublikum in der Stadthalle Castrop-Rauxel heran. […] Wo das Stück zunächst mit einer vortrefflichen komödiantischen Farce beginnt, geht das Ende absolut unter die Haut. […] Während in ihrer Rolle an Worten gespart wird, drückt Eisenhardts lebendige Gestik und Mimik doch alles aus, was das Publikum wissen muss. […] Mit dem Variant am Schluss des Stückes erhält Eve den Raum der ihr eigentlich zusteht. Ihr Monolog avanciert gleichzeitig zu einem der ergreifendsten und erschütterndsten Momente des Abends. […] Thurk spielt seine Rolle unheimlich authentisch. Viel Freude bereitet dem Publikum von Beginn an Jan-Hendrik Kroll als Schreiber Licht, der etwas schief pfeifend den Gerichtstag vorbereitet […] Mit der Inszenierung „Der zerbrochne Krug“ trägt das WLT Kleists gesellschaftskritischem Lustspiel auf ganzer Linie Rechnung. Zwischen Humor und bitterem Ernst darf sich das Publikum auf anderthalb Stunden intensive Auseinandersetzung freuen, die den Klassiker erlebbar und brandaktuell machen. Ralf Ebeling bereitet sich selbst mit seiner letzten Inszenierung als Intendant einen überaus würdigen Abschied. […]
Stefanie Evers, KulturAspekte
„Allerdings lässt er auch den Variant spielen, in dem Eve den Ablauf der Geschichte schildert, das Thema sexuelle Übergriffigkeit nun direkt zur Sprache kommt. Das macht Lesley-Ann Eisenhardt ganz großartig, wenn sie Richter Adam karikiert.“ „Den Revisor spielt Burghard Braun zunehmend genervter. Das Lavieren des Dorfrichters (Guido Thurk hat die Maske ein hübsch demoliertes Gesciht verpasst) hat er schnell durchschaut. Jan-Hendrik Kroll darf als strebsamer Schreiber Licht sein komisches Talent ausspielen, und Arikia Orbán gibt Eves krakelende Mutter. Vincent John legt als Ruprecht eine amüsante Verteidigung hin, ebenso sorgt Carolin Leweling als Zeugin Brigitte für Lacher. Ausgiebiger Applaus für eine unterhaltsame Vorstellung.“ Britta Helmbold, Ruhr-Nachrichten „Guido Thurk wirkt mit seinem blutig geschminktem Gesicht durchaus wie ein Trainer, der in der Umkleide übergriffig wird. […] Jan-Hendrik Kroll überzeugt als beflissener Schreiber, der gerne aufsteigen würde, und auf jede Andeutung Walters gleich mit ausgestreckter Hand reagiert. Die beste Regieidee ist allerdings der Schluss, wo Ebeling den ‚Variant‘ Kleists als Monolog von Eve spielen lässt. Da endlich erklärt sie, die so lange kaum zu Wort kam, wie der Richter sich in ihr Leben, ihre Wohnung schlich und sie immer mehr nötigte. Hier zeigt Lesley-Ann Eisenhardt eindringlich die Nöte und Ängste der jungen Frau. Sie äfft höhnisch Adam nach, wie er sie it Versprechungen und Drohungen gefügig machen will. Da hat die Komödie ein Ende.“
Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger
“DER KRUG WAR GUT GEFÜLLT – Das Beste kommt zum Schluss: Mit einem furiosen Monolog bringt sich Evchen nachhaltig in Erinnerung: Lesley-Ann Eisenhardt brilliert in vielerlei Facetten und glänzt in einer sehenswerten Version von Kleistens “Der zerbrochne Krug” des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel (WLT). Das Ensemble trägt Alltagskleidung und macht schon dadurch deutlich, dass hier kein historisch-literarisches Problem abgehandelt wird, sondern vom Hier und Jetzt erzählt wird. Lug und Trug gab es halt nicht nur zu Kleistens Zeiten. In der Regie von WLT-Intendant Ralf Ebeling entfalten die Schauspielerinnen und Schauspieler jene nachdrückliche Qualität, die das Ensemble auszeichnet, und man mag von Herzen mitleiden, wenn Guido Thurk als Dorfrichter Adam händeringend versucht, alle Schuld von sich zu weisen. Gestoppt wird er dabei von Gerichtsrat Walter, den Burghard Braun mit ruhiger, souveräner Geste gibt. Wer Kleistens Klassiker schon von Schulzeiten her kennt, wird in der WLT-Interpretation sicherlich einige überraschende Entdeckungen machen.”
Werner Streletz, Kultur-Journalist