Profil

Das Land Nordrhein Westfalen ist Heimat von vier Landestheatern: dem Westfälische Landestheater (WLT) mit Sitz in Castrop-Rauxel, dem Landestheater Detmold, dem Landestheater Burghofbühne in Dinslaken und schließlich dem Rheinischen Landestheater in Neuss. Der Begriff Landestheater bedeutet, dass das Theater mit seinem Programm auf Reisen geht und in jenen Städten und Gemeinden spielt, die über kein eigenes Theater verfügen. Gebucht wird das Programm der Landestheater von Kulturverbänden, – vereinen, –ämtern oder sonstigen Veranstaltern, die sich anhand des Spielplans und/oder gestützt auf gute Erfahrungen für eine Aufführung entscheiden. Die „wandernde“ Theaterarbeit ist nicht nur auf NRW begrenzt; in Einzelfällen – wie beim WLT üblich – gibt es Abstecher auch nach Hessen, ins Saarland, nach Baden-Württemberg, Luxemburg oder in die Schweiz.

Die Aufführungen des Westfälischen Landestheaters allein in Castrop-Rauxel – hier finden die Premieren statt – werden jährlich von über 18.000 Zuschauern besucht. Die Vorstellungs- und Besucherzahlen steigen kontinuierlich an. In der Spielzeit 2015/2016 begeisterten wir bei 336 Vorstellungen (207 Gastspiele auswärts, 129 in Castrop-Rauxel) 74.945 Besucher (56.561 auswärts, 18.384 in Castrop-Rauxel). Derzeit zählt das WLT 430 Abonnenten, die überwiegend aus dem Kreis Recklinghausen stammen. Pro Jahr gelangen ca. 15 Premieren zur Aufführung. Am Europaplatz verfügt das WLT über zwei Spielorte: die Stadthalle mit 570 Sitzplätzen (ca. 15 Aufführungen pro Jahr) und das WLT-Studio mit 95 Plätzen (ca. 84 Aufführungen pro Jahr).

Finanzierung
Der Gesamtetat des Westfälischen Landestheaters e.V. (2012: ca 4,2 Mio) setzt sich zusammen aus Zuwendungen des Landes NRW, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), der zehn Trägerstädte des Vereins WLT e.V. (Castrop-Rauxel, Bottrop, Brilon, Dorsten, Hamm, Iserlohn, Marl, Meinerzhagen, Recklinghausen, Witten), der Stadt Castrop-Rauxel und Eigeneinnahmen. Weitere Unterstützung erhält das WLT zudem von der Besucherorganisation „Volksbühne e.V.“ und dem Theaterförderkreis „Gesellschaft der Freude des WLT“.

Kinder- und Jugendtheater
Das WLT bietet mit seinem Abendtheater und der eigenen Sparte Kinder- und Jugendtheater (seit 1977) einen pluralistischen Spielplan für kleine und große Bühnen, sogar für Klassenzimmer oder Kindergärten. Neben Klassikern, musikalischen Aufführungen, Boulevardstück, Krimi, zeitgenössischem Stück, modernen Klassikern und einem Stück mit Experimentiercharakter werden Aufführungen für Kinder und Jugendliche der verschiedenen Altersgruppen gezeigt.

Abgerundet wird der WLT-Spielplan durch Angebote der Theaterpädagogik. Schwerpunkt ist die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für Theater. Mit Vorbereitungen und szenischen Einführungen innerhalb der Klasse wird ein persönlicher Zugang zu dem Erlebnis Theater geschaffen. Probenbesuche, Theaterführungen und Nachgespräche mit den Künstlern und anderen Beteiligten zeigen hautnah den Arbeitsalltag am Theater. Neu sind die Angebote im Ganztagsschulbereich, hier u.a. in der Grundschule. Das theaterpädagogische Angebot richtet sich aber auch an Lehrer und enthält Hilfestellungen für deren eigene Theaterarbeit.

Zum Westfälischen Landestheater gehören auch die Angebote KINDERCLUB, TEENCLUB, JUGENDCLUB und GENERATIÖS. Im Jugendclub treffen sich regelmäßig Jugendliche ab 15 Jahren, um sich mit Stücken oder mit Themen theatralisch auseinanderzusetzen. Ein- bis zweimal pro Spielzeit wird eine Inszenierung im WLT-Studio am Europaplatz aufgeführt. In der generationenübergreifenden Theatergruppe GENERATIÖS finden sich Spielbegeisterte jeden Alters zusammen. Traditionell werden unterschiedlichste Schauplätze, zum Beispiel ein ehemaliger Zechenturm, ein altes Schiffshebewerk als Kulisse für die Aufführungen genutzt. In den KINDER- und TEENCLUBS können Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren und von 10 bis 14 Jahren Theaterluft schnuppern.

Freilichtbühne und Freilichttribüne
Seit Sommer 2002 verfügt das WLT über eine komplette Freilichtbühne mit Spielfläche und -Tribüne und sichert maximal 500 Zuschauern eine optimale Sicht auf das Bühnengeschehen.
Die universell einsetzbare Freilichtspielstätte ist ein ideales Medium, um gerade in den Sommermonaten die Menschen zu einem außergewöhnlichen Theatererlebnis einzuladen. Freilichtaufführungen sind für Zuschauer und Schauspieler gleichermaßen immer wieder ein unvergessliches Erlebnis. Der Event-Charakter einer Freilichtaufführung lockt überdies nicht nur den traditionellen Theaterbesucher, sondern spricht zudem jene Menschen an, die eher selten ins Theater gehen.
Im Sommer verwandelt das Ensemble des WLT mit der hauseigenen mobilen Freilichtbühne den Castrop-Rauxeler Altstadtmarktplatz in einen weiteren Spielort und präsentiert Kindertheater und Musicals als Freilichtaufführungen – Motto: BÜHNE RAUS…! THEATER IM FREIEN.

Historisches
Am 25. September 1933 wurde das Westfälische Landestheater e.V. als Einspartenbetrieb in Paderborn gegründet. Ein Theater als Treffpunkt für öffentliche Kommunikation. Den Bürgern in den theaterlosen Städten der Provinz Westfalen und angrenzenden Gebieten, sollen die Möglichkeit geboten werden öffentlich zu politisieren, sich zu streiten, zu bilden oder einfach nur ihrem Amüsement nachzugehen. Während des Zweiten Weltkriegs wird das WLT auf Grund höheren Befehls geschlossen. Aber zwei Jahre später 1946 plant die Provinzialverwaltung der Provinz Westfalen das WLT wieder ins Leben zu rufen. Paderborn, in den Kriegsjahren völlig zerstört, scheidet als Sitz aus. Am 12. Dezember 1946 ist es dann soweit. Das Westfälische Landestheater konstituiert sich neu in der Stadt Castrop-Rauxel.

Ein altes Kino bietet sich als Spielort an und es stehen genügend Wohnungen für die Theaterleute zur Verfügung. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass der Standort für eine Reisebühne geradezu ideal ist: im Zentrum des Landes, am Schnittpunkt zweier Autobahnen gelegen, sind von hier aus die verschiedenen Spielorte gut zu erreichen. Auf einer gemeinnützigen Grundlage aufgebaut, will das WLT nicht verdienen, sondern der Pflege der Kunst und Unterhaltung dienen, gegen den Starkult und für Ensemblearbeit, wider seichte Unterhaltungsware und für qualitätsvolle Theaterkunst.

Im Februar 1947 dann der herbe Rückschlag. Ein Feuer vernichtet den gesamten Fundus des WLT. Nur mit Mithilfe der Castrop-Rauxeler Bevölkerung kann das WLT nach kurzer Zeit seinen Betrieb wieder aufnehmen. Im Laufe der nächsten Jahren entwickelte sich das WLT zum engagierten Volkstheater im Revier und erhält den Beinamen „Rotes Theater“. In den 60er und 70er Jahren dient die Alte Feuerwache als Domizil. Bis das WLT 1974 seinen endgültigen Standpunkt am Europaplatz findet. Der vom dänischen Designer und Architekten Arne Jacobsen entworfene Platz nebst Gebäuden bildet das Zentrum zwischen dem Rathaus, der Europahalle und der Stadthalle