"Am ersten Tag bin ich direkt zu spät gekommen."

„Da ich nicht sonderlich gerne singe, waren beim Vorsprechen nicht alle von mir überzeugt“, erzählt Guido Thurk, Schauspieler des Westfälischen Landestheaters, mit einem Augenzwinkern. Nun sind 25 Jahre WLT daraus geworden. Im August 2019 feierte der gebürtige Hamburger sein Jubiläum. Der Geschäftsführende Direktor Günter Wohlfarth und Intendant Ralf Ebeling, die 1994 – zum Beginn von Guido Thurks Zeit in Castrop-Rauxel – beide noch nicht am WLT beschäftigt waren, gratulierten herzlich und erinnern sich mit dem sympathischen Schauspieler an vergangene Zeiten.

„Lothar Maninger, der damalige Oberspielleiter, wollte mich unbedingt in seinem Ensemble haben“, so Thurk. Kurz darauf unterschrieb er seinen Vertrag. „Zur Spielzeiteröffnung bin ich dann prompt zu spät gekommen. Ich irrte durchs Theater und tauchte mitten in der Eröffnungsrede auf der Bühne auf“, erinnert sich Thurk mit einem Lächeln. Seine ersten Rollen waren die des Wächters und des Haimons in „Antigone“ (erste Amtshandlung: die Bühne fegen). Zahlreiche Haupt- und Nebenrollen in den verschiedensten Inszenierungen folgten. Besonders gute Kritiken erhielt Guido Thurk, der noch heute jeden Tag aus seiner Wahlheimat Köln nach Castrop-Rauxel pendelt, für seine Darbietungen in der Satire „Er ist wieder da“, in dem Klassiker „Nathan der Weise“ oder in der Komödie „Der Tatortreiniger“. Die Frage, ob er in all den Jahren eine Lieblingsrolle hatte, verneint der heute 50-Jährige. „Da kann ich kein Ranking machen, ich habe viele Rollen gerne gespielt.“ Zwar gäbe es auch Stücke, in denen er weniger gern auf der Bühne stand, doch diese ließen sich ihm nicht entlocken.

25-jähriges Jubiläum Guido Thurk  

Auch wenn die bisher 25 Jahre am WLT meist mit positiver Erinnerung verknüpft sind, gab es auch schwere Zeiten. An diese erinnert sich auch Günter Wohlfarth: „Zum Ende der 1990er Jahre gab es eine Theaterkrise in Deutschland. Auch das WLT drohte geschlossen zu werden. Wir haben lange gekämpft, um weitermachen zu können.“ Guido Thurk ist dem Haus dennoch treu geblieben: “Ich konnte in dieser Zeit an Produktionen mitwirken, die sonst nie umgesetzt worden wären“, so der Schauspieler. Mit Tankred Schleinschock, dem musikalischen Leiter des WLT (der sogar noch länger am Haus ist als Guido Thurk), entstand das Einpersonenstück „Novecento“ von Alessandro Baricco. „Es war eine sehr arbeitsintensive, aber ganz besondere Zeit.“

Wie viele Jahre Westfälisches Landestheater noch folgen, weiß Guido Thurk nicht. Seine Kolleginnen und Kollegen am WLT und das Publikum in Castrop-Rauxel und den zahlreichen Gastspielorten hoffen, dass es noch sehr viele werden.

Zurzeit probt Guido Thurk übrigens für die erste Premiere der neuen Spielzeit. BLACKOUT sehen Sie am Samstag, 5. Oktober um 20 Uhr in der Stadthalle Castrop-Rauxel.

Karten gibt es ab sofort an unserer Theaterkasse: Maximilian Bock, 02305 – 978025 oder bock@westfaelisches-landestheater.de.