Bühnensturm-Festival sorgte für ausverkauftes WLT-Studio

7.5.2026 Beim ersten Blick auf die Bühne im WLT-Studio regierte das Chaos: Kleidungsstücke, Hüte und Requisiten lagen überall verteilt. Mittendrin bescherten elf Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren dem Publikum eine launige, kritische und bisweilen schräge Stunde Theater. Der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters eröffnete den “Bühnensturm” am Freitagabend (24.4.) mit der skurrilen Teenager-Komödie „Das Gewicht der Ameisen“ des kanadischen Autors David Paquet. Darin geht es darum, wie sich Heranwachsende in einer Gegenwart zurechtfinden, die von Krisen, Katastrophen und falschen Versprechungen gebeutelt ist, wie sie sich sortieren in einer Welt voller Widersprüche. Und ganz konkret darum, wer am Ende das Zeug zum Schülersprecher oder zur Schülersprecherin hat? Ist es der empfindsame Olivier, der an der Welt zu verzweifeln droht, aber Klartext spricht? Ist es Jeanne, die sehr wütend ist? Oder wird es am Ende Mike, dessen einziges Wahlversprechen „Pizza für alle“ ist.

Das Stück mit vielen originellen Figuren begeisterte die jungen Leute bereits beim ersten Lesen. „Besonders die Einhorn-Szene fanden wir richtig cool und wollten das unbedingt spielen. Ein Einhorn, das eigentlich so nett ankommt, wird abgewiesen. So etwas passiert wirklich: Menschen kommen, um etwas Nettes zu sagen, um nach irgendwas zu fragen und werden abgewiesen mit irgendeiner Beleidigung. Es ist in eine Szene verpackt, die unwirklich wirkt, aber es passiert so im echten Leben“, schilderte Spielerin Amelie (12) nach der gefeierten Premiere. Im Anschlussgespräch durfte sich der Jugendclub rund um WLT-Spielclubleiterin Michi Cordes über viel Applaus und Lob aus dem Publikum freuen: „Es war eine großartige Thematik, ich bin total geflasht!“, sagte eine Zuschauerin.

Kinderclub zeigte Spielfreude ohne Skript
Mit dem Stück „Das Geheimnis der Tiere“ bewiesen am Samstagnachmittag 14 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, dass echte Magie ohne Auswendiglernen entsteht. Unter der Leitung von Nadine Mittelstädt wurde die Geschichte um eine Schulklasse, deren Referatstiere lebendig werden, komplett selbst entwickelt.
Die Kinder entlarvten darin den Hausmeister als bösen Zauberer und besiegten ihn durch Teamgeist und den Raub seines magischen Haares.
Mittelstädt setzte konsequent auf Improvisation statt starrer Vorlagen: „Ich habe komplett auf Texte verzichtet, um den Druck herauszunehmen und die pure Spiellust zu fördern.“
Ohne Textbuch, aber mit viel Mut, meisterten die jungen Darstellenden ihren ersten Auftritt vor 100 Zuschauern. Das Ziel der Spielclubleitung war ein positives Erlebnis, das Lust auf mehr Bühne macht. „Theater ist cool und macht Spaß – das sollte die erste Erfahrung sein.“

Traumwelten und Götterchaos in „Night of the Greeks“
Mit „Night of the Greeks“ brachte abschließend der Spielclub “GEN_eratiös” am ersten Mai-Wochenende eine traumhafte Mischung aus griechischer Mythologie, Humor und aktuellen Themen auf die Bühne. Spielclubleiterin Judith Freise-de Matteis schrieb das Stück gemeinsam mit ihrer Tochter Elisa.
In der Aufführung trafen Figuren wie Hera, Zeus, Hermes oder Medusa auf Fragen nach Macht, Gleichberechtigung, Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Zwischen Traumsequenzen, Comedy und poetischen Momenten entstand dabei ein bewusst chaotischer Theaterabend voll überraschender Wendungen.
Über den Entstehungsprozess sagte Elisa de Matteis: „Das Stück verändert sich die ganze Zeit. Wir schreiben, diskutieren, probieren mit der Gruppe aus und merken oft erst auf der Bühne, ob etwas wirklich funktioniert.“

Informationen zu den Spielclubs erhalten Interessierte bei der Theaterpädagogik des Westfälischen Landestheaters unter: theaterpaedagogik@westfaelisches-landestheater.de.

Fotos: Volker Beuhausen