"Der Theatermacher" verzweifelt an der Leidenschaft für seine Arbeit

3.3.2026 Das Publikum darf sich auf den berühmt-berüchtigten „Bruscon“ freuen. „Der Theatermacher“ lebt für das Theater und verzweifelt dabei an seinen eigenen Ansprüchen. In endlosen, herrlich-komischen Tiraden, letztlich Ausdruck seiner eigenen Unsicherheit, Einsamkeit und Liebesbedürftigkeit, nähert sich Bruscon unaufhaltsam dem Vorstellungsbeginn.

Das erbitterte und dabei unfreiwillig komische Leiden des Theatermachers „Bruscon“ verkörpert Ensemble-Mitglied Mike Kühne, der am WLT schon in einigen starken Rollen zu erleben war. Zu nennen ist da sein von der Presse als „bravourös“ gelobter Woyzeck. Zuletzt erheiterte er das Publikum in der Hauptrolle des windigen Staatsministers Richard Willey in der Komödie „Außer Kontrolle“.

Am 12. April feiert der komödiantische Klassiker von Thomas Bernhard in der Stadthalle Castrop-Rauxel Premiere. Die Inszenierung am Westfälischen Landestheater wird die Handschrift der jungen Regisseurin Dalila Niksic tragen, die ihr Regie-Debüt im Abendtheater gibt. Mit originellen Inszenierungen im Kinder- Jugendtheater hat sie in den vergangenen Spielzeiten auf sich aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit den Ausstatterinnen Clara Eigeldinger und Rabea Stadthaus bringt Niksic dieses Text-Unikat auf die Bühne. Ebenfalls im Team ist WLT-Intendant Ralf Ebeling, erstmals als Dramaturg in seiner Theaterkarriere. Ein schöner Abschluss für ihn – denn zum Ende der Spielzeit 2025/26 verlässt Ralf Ebeling nach 14 Jahren als Intendant das WLT und geht in den Ruhestand.

Beim Probenstart erläuterte Dalila Niksic dem Ensemble erste Ideen zur Inszenierung. Während in vielen Produktionen der Text der Familienmitglieder des Theatermachers gestrichen wird, möchte Niksic diese in der WLT-Version bewusst mitspielen lassen, sowohl die Geschwister als auch die Mutter. „Unser Wunsch ist es, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich gegenüber Bruscon zu verhalten und vielleicht sogar einige seiner Aussagen zu entlarven.“ Sie werden zu einem großen Teil mit auf der Bühne sein und das tun, was das Theaterteam vor einer Vorstellung tut: Sie zimmern das Bühnenbild zusammen, richten Scheinwerfer ein, machen einen Soundcheck und flicken vielleicht noch ein Kostüm. Dann ziehen sie sich um, schminken sich selbst und bereiten sich auf die Vorstellung vor. „Wir fügen noch eine dritte Ebene hinzu: Der Wirt ist ein bisschen wie das Gegenteil von Bruscon. Er ist nicht hochtourig und nicht übergriffig. Ihre große Gemeinsamkeit ist: Sie haben beide große Leidenschaft für das, was sie tun. Sie drückt sich aber anders aus. Da stellt sich dann die Frage: Wo fängt Leidenschaft an, wo hört sie auf und ist Leidenschaft erst Leidenschaft, wenn auch gelitten wird?“, führte Niksic bei der Leseprobe aus.

Thomas Bernhards bekanntestes Stück ist ein Klassiker des 20. Jahrhunderts und eine komödiantische Liebeserklärung an das Theater. In seiner sprachlichen Meisterschaft gelingt es Bernhard, die Faszination des Theaters deutlich werden zu lassen. Uraufgeführt 1985 bei den Salzburger Festspielen in der Regie von Claus Peymann, hat das Stück nichts von seiner komischen und tragischen Kraft verloren.

Am Westfälischen Landestheater feiert die Produktion am Sonntag, 12. April 2026 um 18 Uhr Premiere in der Stadthalle Castrop-Rauxel. Eine Folgevorstellung findet statt am 22. Mai um 20 Uhr im WLT-Studio. Tickets für beide Termine gibt es online und an der Theaterkasse per E-Mail an: tickets@westfaelisches-landestheater.de und telefonisch unter: 02305-978020.

Fotos: Volker Beushausen