14.1.2026 – Christian Zell (links oben) gab sein Regiedebüt am Westfälischen Landestheater mit einem großen Klassiker der Abenteuer-Literatur. Seit der ausverkauften Premiere wird „Robin Hood“ auf etlichen Bühnen in der Region gespielt. Am 18. Januar ist es noch einmal im WLT-Studio zu sehen. Im Interview berichten Regisseur Christian Zell und Ausstatterin Rabea Stadthaus, warum der Stoff heute relevant ist und wieso die weibliche Hauptfigur ein Gewinn ist.
Herr Zell, das ist Ihre erste Regie am WLT? Warum machen Sie Robin Hood?
Christian Zell: Gerne würde ich antworten: Ich habe schon immer davon geträumt, Robin zu machen, wäre aber nicht ganz die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass ich in den letzten Jahren in Köln erste Regieerfahrung gesammelt habe. Meine ersten beiden Produktionen hat sich WLT-Intendant Ralf Ebeling angesehen und er fand die, glaube ich, ganz gut. Das konnte ich im Endeffekt nutzen und sagen: Ich habe großes Interesse daran, Robin Hood zu machen. Ein glücklicher Zufall ist, dass die Legende von Robin Hood durchaus mit mir resoniert, weil ich ein relativ großer Mittelalter-Fan bin. Ich unterrichte seit acht Jahren historischen Schwertkampf im Kostüm und mit Stahlwaffen. Und der Stoff interessiert mich auch deswegen, weil ich über die letzten Jahre immer politischer geworden bin, und ich halte Robin Hood für die politischste Legende der europäischen Welt.
WLT: Sie sind ja schon länger als Schauspieler am WLT. Wie ist es jetzt, auf der Regie-Seite zu stehen und die Kolleginnen und Kollegen anzuleiten?
CZ: Ich bin sehr dankbar, dass ich vorher schon Produktionen gemacht habe. Da konnte ich diese Grundverschiebung der Hierarchie und der Art des Arbeitsansatzes schon mal üben. Jetzt mit den Kollegen und Kolleginnen zu arbeiten, ist natürlich total neu und irgendwie wirklich anders. Ich stelle aber fest: Ich habe einen großen Vertrauensvorschuss und vor allem bin ich sehr dankbar, dass sie sagen: Hey, wir lassen uns auf diese neue Hierarchie jetzt mal ein. Ein Vorteil ist, dass ich weiß, was sie machen können, um dahin zu kommen, was du dir vorstellst. Wir arbeiten zum Beispiel viel mit Imagination. Ich bin einfach sehr nah an der Schauspielmethodik dran und kann sie nutzen.
WLT: Robin ist in der Fassung von David Bösch eine junge Frau. Was verändert sich in Ihren Augen dadurch?
CZ: Für die Figur ändert sich meiner Meinung nach sehr viel. Für das Stück ändert sich sehr wenig. Die fundamental wichtigen Sachen für Robin sind: Gerechtigkeit, Umverteilung, von den Reichen nehmen, den Armen geben, diesen König loswerden, Mittelalter, Lagerfeuer und Abenteuer. Diese Dinge schenken wir allen Menschen, die sich dieses Stück ansehen. Aber insbesondere vielleicht jungen Frauen und Mädchen, die sich fragen: Wie viel und wie laut dürfen sie eigentlich sein? Das fragen sich bestimmt auch Jungs. Aber meiner Meinung und Erfahrung nach werden Mädchen immer noch dazu sozialisiert, möglichst den Mund zu halten und klein und fein zu sein. Wenn wir eine Figur zeigen können, die sagen kann: Ich mache das nicht mehr mit, ich wehre mich dagegen und ich wehre mich auf alle Arten dagegen, die mir einfallen, empfinde ich persönlich das als Geschenk.
WLT: Das Thema von Robin Hood kreist um die Kluft zwischen Arm und Reich. Was hat das in Ihren Augen mit der heutigen Zeit zu tun?
CZ: Aus meiner Perspektive, da können mir bestimmt ganz viele Leserinnen und Leser widersprechen, leben wir im Endstadium des Kapitalismus. Die Diskrepanz zwischen den sehr Reichen und den sehr Armen wird größer, sogar größer als im Mittelalter. Alle Details müssen Kinder dazu nicht wissen, aber die Kinder müssen wissen: Die Erwachsenen machen das gerade nicht gut. Deswegen bin ich auch zu hundert Prozent auf der Seite von Robin.
Rabea Stadthaus: Es wird ja gerade extrem viel nach unten getreten, und dafür ist es wichtig, früh zu sensibilisieren. Es ist wichtig, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben und eben nicht nach unten zu treten.
WLT: Frau Stadthaus, Sie berichten, dass Sie Robin Hood schon eine Weile begleitet, da Sie bereits für mehrere Produktionen die Ausstattung gemacht haben. Wie variieren Sie das Thema in Bühne und Kostüm?
RS: Es ist jetzt das dritte Mal Robin Hood, aber es ist auch jedes Mal eine andere Fassung gewesen. Das Konzept ist immer anders und ich gehe mit anderen Menschen ins Gespräch, entwickle etwas. In dieser Produktion ist die Bühne ein flexibler Raum, der durch Licht sehr viel Veränderung erfährt. Also, wir sind eigentlich an mehreren Orten, ohne dass sich das Bühnenbild selbst viel verändert. Was das Kostüm betrifft: Es wird Grün geben und es gibt auch eine Weste, aber es ist nicht klassisch in Strumpfhosen, wie man das immer so sagt. Es geht bei uns in die mittelalterlich-keltische Richtung.
WLT: Warum sollen die Zuschauer kommen? Was erwartet sie?
CZ: Wenn die Spielenden und ich unseren Job richtig machen, dann entsteht da, glaube ich, eine theatral moderne Fantasy-Mittelalter-Welt mit keltischen Elementen und Musik. Ich glaube, dass die Menschen davon verzaubert sein werden.



