15.01.2026
Von Heidelberg über Tübingen nach Castrop-Rauxel: Regisseurin Karin Eppler prägt seit vielen Jahren die deutschsprachige Theaterlandschaft. Sie ist eine Expertin dafür, große Literatur lebendig auf die Bühne zu bringen, und brennt für das Theater in all seinen Facetten. Seit 2012 ist sie fester Bestandteil der WLT-Bühnenfamilie. Anlässlich ihrer 100. Produktion „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull haben wir sie zum Kurzinterview gebeten, um einen Blick hinter die Kulissen ihrer beeindruckenden Karriere zu werfen.
100 Produktionen als Regisseurin, 16 davon am WLT, wenn du auf diese Reise zurückblickst: Gab es einen prägenden Anfang oder einen Moment, der für dich bis heute besonders wichtig ist?
Karin Eppler: Natürlich ist es bei allen Menschen so: Immer, wenn man zum ersten Mal etwas erlebt – ob die erste Liebe oder der erste große Verlust. So ist es auch bei der ersten eigenständigen Arbeit. Die bleibt besonders im Gedächtnis, weil sie der Prüfstein ist: Gefällt mir das? Kann ich das? Möchte ich das weitermachen? Das war 1997, eine Produktion im Kinder- und Jugendtheater am Landestheater Tübingen: „Flusspferde“ von Annelie Mäkäla. Für mich war da schon klar: Im Zentrum meiner Arbeit steht immer der Mensch. Ich bringe zwar eine Regiekonzeption mit, einen mit Bedacht gepackten Reisekoffer –, aber was wir daraus brauchen, entscheidet sich gemeinsam auf der Probe.
Du arbeitest für sehr unterschiedliche Zielgruppen – vom Theater für Menschen ab drei Jahren bis zum Abendspielplan. Gibt es trotzdem einen roten Faden, der sich durch all deine Arbeiten zieht?
Karin Eppler: Ja, ganz klar: die Lust am Theater für ein Publikum zu schaffen. Mir ist es nicht egal, ob das Menschen berührt. Positiv oder negativ – Hauptsache, es löst etwas aus. Theater ist eine wunderbare Live-Kunstform, mit der wir Denkimpulse geben können. Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene. Im Kinder- und Jugendtheater fasziniert mich, wie offen junge Menschen schauen und was sie vom Theater brauchen. Am Abendspielplan reizt mich, komplexe, intellektuelle Themen so auf die Bühne zu bringen, dass Menschen sich darauf einlassen – auch wenn sie nicht meiner Meinung sind.
Mit Felix Krull feierst du nun deine 100. Produktion insgesamt, und wir freuen uns, dass sie bei uns am Haus sein wird. Was hat dich an diesem Stoff besonders interessiert?
Karin Eppler: Mich begleitet der Roman seit meiner Abschlussrede an der Schule, bei der ich ein Zitat aus “Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” verwendet habe. Das Thema Schein und Sein hat mich damals stark bewegt – und heute ist es aktueller denn je. Über Jahrzehnte wollte niemand diesen Stoff auf den Spielplan setzen. Erst jetzt, wo Fake und Inszenierung gesellschaftlich so präsent sind, hat das Thema diese brennende Aktualität bekommen. Felix Krull ist als Ich-Erzähler angelegt, als Beichte für den geneigten Leser. Das ist ideal fürs Theater, weil er uns sein Leben live erzählen kann. Er spielt Dialoge, kommentiert sie, bringt Ironie hinein. Genau diese ironische Fallhöhe braucht das Thema. Dass ich das als Solo umsetze, hängt mit meiner Arbeit im Erzähltheater zusammen: Mich interessiert seit Jahren, wie ein Mensch eine große Geschichte und viele Figuren tragen kann – so, dass am Ende nichts fehlt.
Zum Abschluss möchte ich gerne noch sagen, der Mensch steht im Zentrum meiner Arbeit – und hier am WLT gab es viele WegbegleiterInnen, die ich sehr schätze. Besonders Dramaturgin Sabrina Klose, die mich damals hierhergeholt hat, dafür bin ich sehr dankbar. Wir sind hier gemeinsam künstlerische Wege gegangen, haben mit jeder Produktion neue Facetten entdeckt und sind miteinander gewachsen. Diese Kontinuität – nicht immer bei null anzufangen, sondern zusammen weiterzugehen – ist etwas sehr Besonderes.
Karin Eppler arbeitet seit über 25 Jahren als Regisseurin und Autorin im Kinder-, Jugend- und Abendtheater und wurde u. a. mit dem Bayerischen Theaterpreis und dem Paul Maar Stipendium ausgezeichnet. 16 Inszenierungen hat sie alleine am WLT vorzuweisen, darunter das Erzähltheaterstück „Die Wanze, „Kapitän NEMO – 20.000 Meilen unter dem Mee mit Puppentheater-Einflüssen und den aktuellen Krimi-Bestseller „Am Ende des Schweigens von Charlotte Link.








