24.2.2026 Bob Dylan ist Mythos, Literaturnobelpreisträger, Provokateur – und für Tankred Schleinschock Grund genug für einen ganzen Liederabend. Am 11. März feiert der Musikalische Leiter des WLTs den Ausnahmemusiker mit der Show „The Times They Are A-Changin’“ und verrät im Interview, warum sich der Besuch unbedingt lohnt.
Tankred, du widmest eine ganze Produktion dem Musiker Bob Dylan. Warum ist Dylan das wert?
Weil seine Texte heute klingen, als wären sie gerade erst geschrieben worden. Als wir letzten Sommer bei „Respect! Die Würde des Menschen ist unantastbar. Eine Rockshow“ „The Times They Are A-Changin’“ gespielt haben, wurde mir klar, wie aktuell das alles noch ist – auch für junge Menschen. Seine Texte sind keine einfachen Songzeilen, sondern komplexe, dichte Literatur. In seinen Songs gibt es viele Bezüge und Anspielungen auf literarische Texte. Gleichzeitig versteht er sie als Hörtexte – sie müssen gesungen werden. Er steht in der Tradition der mündlichen Erzähler. Mit dieser Tradition passt er sehr gut ins Theater.
Es gab eine große Diskussion, als ihm der Literaturnobelpreis verliehen wurde. Aber ich finde, er hat ihn völlig zu Recht bekommen. Seine Texte sind großartig und sein Einfluss auf die Popkultur ist enorm.
Und zweitens hat er ein sehr breit gefächertes Songbuch. Er ist stilistisch sehr vielseitig. Folk, Rock, Blues – er hat kein festes Etikett.
Und drittens: Kaum ein Künstler wurde so oft gecovert. Viele kennen seine Songs, ohne zu wissen, dass sie von ihm sind.
Gibt es persönliche Lieblingslieder?
Schwer zu sagen, „Tangled Up In Blue“ mag ich sehr. Als Jugendlicher hat mich besonders das „Concert for Bangladesh“ beeindruckt, bei dem Dylan überraschend auftrat und nur mit Gitarre spielte. Diese Versionen gehören für mich bis heute zum Kanon. Zwei davon sind „Just Like A Woman“ und „Mr. Tambourine Man”. Aber eigentlich, wenn ich mir unsere Songliste anschaue, dann kann ich sagen, ich liebe sie alle.
Wie geht ihr musikalisch mit dem Material um?
Wir orientieren uns teilweise an bekannten Versionen, setzen aber eigene Akzente. Imitieren wollen wir niemanden. Manche Stücke spielen wir in der Coverversion, durch die sie berühmt wurden, wie beispielsweise der Song „If Not For You“. Der Song wurde auch durch die Version von Georg Harrison bekannt und in dieser Variante werden wir ihn auch spielen.
Worauf darf sich das Publikum freuen?
Das Publikum erwartet ein sehr buntes Programm in der Tradition meiner anderen Shows. Es wird ein Konzert mit Moderation und auch der Humor wird nicht zu kurz kommen. Musikalisch bilden wir ein breites Spektrum ab: rockige Stücke, melancholische Songs, wunderschöne Liebeslieder, teils reduziert mit Klavier und Gitarre, teils mit Band. Aber es wird nicht nur um seine Musik gehen. Denn zur Kunstfigur Bob Dylan gibt es viel zu erzählen. Er spielt selbst mit diesen verschiedenen Identitäten, die er immer wieder annimmt. Immer wenn man versucht, ihn zu greifen, dann entgleitet er einem. Wir versuchen es an diesem Abend trotzdem.
“The Times They Are A-Changin’” Bob Dylan und seine Lieder
Tankred Schleinschock
11.03.2026 20.00 Uhr Castrop-Rauxel Stadthalle
Tickets sind erhältlich online, und an der Theaterkasse unter tickets@westfaelisches-landestheater.de oder telefonisch unter
Tel.: 02305-97 80 20.
Fotos: Volker Beushausen


