Was uns Thomas Mann über Fake lehrt

15.01.2026 Mit dem Jugendstück „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull widmet sich das Westfälische Landestheater einem der bekanntesten Stoffe Thomas Manns – und entdeckt darin eine überraschend gegenwärtige Geschichte. Unter der Regie von Karin Eppler, die auch die Bühnenfassung geschrieben hat, entsteht eine erzählerische Soloform, die sich bewusst an ein junges Publikum richtet, dabei aber Fragen stellt, die weit über das Klassenzimmer hinausweisen: Was ist Wahrheit? Wer bestimmt sie? Und warum lassen wir uns so gern täuschen?

Im Mittelpunkt steht Felix Krull, der charmante Aufsteiger, der weniger durch aktive Lügen als durch die Erwartungen seiner Umgebung vorankommt. Genau hier setzt Epplers Inszenierung an. „Felix Krull lügt kaum bewusst – er wird gelesen, interpretiert, bewundert. Mich interessiert, wie sehr eine Gesellschaft selbst daran beteiligt ist, ihren eigenen Betrug zu erzeugen“, beschreibt die Regisseurin ihren Zugang. Der Hochstapler erscheint so nicht als Ausnahme, sondern als Spiegel von Gesellschaft und ihren Spielregeln.

Die Bühnenfassung konzentriert sich auf die frühen Stationen von Krulls Lebensweg: Kindheit, Jugend und den Beginn seines gesellschaftlichen Aufstiegs. Die Sprache bleibt dabei nah an Thomas Manns Original, denn gerade die ironische Erzählebene verleiht dem Stoff seinen Witz und seine Tiefe, erklärt Eppler diese Entscheidung. Eppler Inszenierung wird zum Erzähltheater, bei dem Felix Krull seine Geschichte dem Publikum berichtet, direkt, persönlich und mit einem Augenzwinkern. Mario Brutschin als Felix Krull nimmt das Publikum mit in seine Gedankenwelt und zeigt, wie Rollen entstehen, sich verändern und wieder auflösen. Dabei wird sichtbar, wie sehr Wahrnehmung und Zuschreibung unser Bild von anderen – und von uns selbst – prägen.

Gerade für junge ZuschauerInnen entfaltet der Stoff eine besondere Aktualität. In einer Zeit, in der Selbstdarstellung, Images und soziale Rollen allgegenwärtig sind, wirkt Thomas Manns Hochstapler erstaunlich modern. Doch auch für ein erwachsenes Publikum öffnet sich ein neuer Blick auf einen bekannten Klassiker. Eppler lädt das Publikum dazu ein, sich verführen zu lassen – und dabei zu erkennen, wie leicht das geht.

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
nach Thomas Mann, von Karin Eppler
Klassenzimmerstück für alle ab 15 Jahren, ab 10. Klasse

Termine:
• 13.05. – 16.05. 2026 20.00 Uhr Castrop-Rauxel Studio Europaplatz, 44575 Castrop-Rauxel
• 17.05.2026 18.00 Uhr Castrop-Rauxel Studio
Kartenanfragen unter: 02305–978020 oder tickets@westfaelisches-landestheater.de:

Die Schul-Premiere ist am 05.02.2026 10.00 Uhr Recklinghausen Käthe-Kollwitz-Gesamtschule
Für Schulen buchbar bei Jutta Dahlhausen aus der Theaterpädagogik des Westfälischen Landestheaters unter theaterpaedagogik@westfaelisches-landestheater.de oder telefonisch unter: 0 23 05-97 80 26.