1.4.2026 Im Stück verzweifelt die Hauptfigur „Bruscon“ an den eigenen Ansprüchen an das Theater und er lässt kein gutes Haar an seinen Mitmenschen. Am Westfälischen Landestheater erhält das legendäre und amüsante Stück „Der Theatermacher“ die Handschrift von drei Frauen. Im Interview verraten Regisseurin Dalila Niksic sowie die Ausstatterinnen Clara Eigeldinger und Rabea Stadthaus, auf welche Einblicke das Publikum sich freuen darf. Premiere ist am 12. April in der Stadthalle Castrop-Rauxel.
Dalila, du bist selbst Theatermacherin. Findest du dich in der Figur „Bruscon“ wieder?
Dalila Niksic: Ich hoffe nicht, aber, irgendwie ist es schon so, dass man sich zwischendurch denkt: Ja, das kommt mir bekannt vor, bestimmte Dynamiken oder Reaktionen. Da sitzt jemand in der Regiefunktion, inszeniert irgendwas, gibt es frei, um dann zwei Sekunden später zu sagen: Da fällt ihm noch etwas ein, da haben wir uns heute lange drüber lustig gemacht, ich weiß auch im Hinterkopf: Ich mache es genauso. Ich finde, das Stück sensibilisiert für die eigene Arbeit, sodass man reflektiert und sich fragt: Bin ich eigentlich auch so?
In der Vergangenheit haben sich meist Männer mit dem „Theatermacher“ beschäftigt. Spielt euer weiblicher Blick auf den Stoff eine Rolle?
DN: Ich glaube, was die Figur des Bruscon angeht, wird man gar nicht so sehr merken, ob das von Frau oder Mann inszeniert ist. Das Drumherum ist etwas, was vielleicht aus einer etwas weiblicheren, sensibleren Perspektive behandelt ist. Also, was ist mit der Familie? Was ist mit dem Wirt? Wir nehmen eben nicht nur diese eine große Figur in den Fokus, sondern gucken auch: Welche Auswirkungen hat das eigentlich auf die anderen, die dann mit ihm leben und ihn aushalten müssen? Also, er spricht viel darüber, wie unfähig sie sind, degradiert und erniedrigt sie. Und wir wollen der Familie, obwohl sie im Stück keine verbale Stimme hat, trotzdem eine Stimme geben, die sich im Zuschauen erschließt. Das ist glaube ich etwas, was nicht viele gemacht haben, bisher.
Rabea Stadthaus: Es sind Sachen, die der Theatermacher von sich gibt, bei denen ich es wichtig finde, das zu kommentieren und als Frauenteam einzuordnen und es nicht so stehen zu lassen. Ich glaube, wir haben da alle unsere Beispiele im Kopf für diesen Bruscon.
„Der Theatermacher“ gilt als zeitgenössischer Klassiker. Was macht den Theatermacher für heute so interessant?
DN: Ich finde es teilweise fast erschreckend, wie aktuell es noch ist. Also, wenn man sich überlegt, es wurde in den 1980ern geschrieben. Und dass wir auch heute noch, wenn wir das lesen, überhaupt nicht denken als Theatermenschen: Das ist jetzt aber übertrieben! Sondern, dass wir einfach dieses Verhalten immer noch tagtäglich um uns spüren. Ich denke, das wird leider, glaube ich, auch noch eine Weile aktuell sein.
Dalila, bei der Leseprobe sagtest du, es stellt sich die Frage, ob Leidenschaft erst stattfindet, wenn auch gelitten wird. Ist der Theatermacher ein Typ zum Mitleiden für das Publikum?
DN: Also, er leidet sehr viel. Er leidet sehr laut. Aber dieses laute Leiden finde ich gar nicht so interessant wie das Leiden, das in den Menschen vorgeht. Ich glaube schon, dass wir eine Figur geschaffen haben, die nicht ausschließlich negativ von uns bewertet wird, sondern dass jeder für sich so diesen einen Moment hat, wo man hinschaut und sich denkt: Er ist auch einfach eine arme Seele.
In dem Stück geht es um die Hauptfigur „Bruscon”. Auf welche Figuren darf sich das Publikum noch freuen?
DN: Es ist eher das Zusammenspiel. Wir achten sehr darauf, in den Proben die Beziehungen zwischen allen Personen untereinander mitzuerzählen. Sowohl auf der Ebene der Familie als auch auf der Ebene des Wirts, der da alleine für sich herumspukt, aber dann in der zweiten Hälfte immer mehr auch mit der Familie zu tun hat. Ich glaube, das lädt ein, sich umzuschauen und gleichzeitig zu sehen: Wie funktionieren diese Familienkonstellationen trotz dieses Tyrannen da vorne. Wie leben die ihr Leben? Finden sie deshalb alles Mist oder sind die vielleicht trotzdem bejahend und sagen: Wir arbeiten für uns weiter und wir finden Theater cool und wir nehmen uns jede neue Herausforderung und gehen da rein.
Ihr habt verraten, dass ihr die Gastwirtschaft als typische 90er-Bar anlegt. Was macht denn eine typische 90er-Jahre Bar aus und warum eignet sie sich als Bühne für den Theatermacher?
Clara Eigeldinger: Typisch 90er Jahre wäre wahrscheinlich nicht unbedingt unsere Wortwahl. Also, wir verorten es grob in den 90ern. Es ist eine Kneipensituation und war mal ein Club. Jetzt gibt es eine kleine Bühne, die je nach Zweck genutzt wird. Es gibt Sticker an den Wänden und der Ort lebt ein bisschen und hat schon Zeit auf dem Buckel.
RS: Im Voraus war vor allem Thema, dass der Theatermacher in einem ihm fremdartigen Raum sitzen soll. Um diese Unterscheidung zu machen, haben wir uns eben für einen moderneren Raum entschieden.
Warum würdet ihr empfehlen, die Inszenierung anzuschauen?
DN: Ich denke, es wird schon für jeden was dabei sein und jeder wird hin und wieder bestimmt mal ein Schmunzeln auf den Lippen haben. Unser Ziel war es zu zeigen: Was macht denn das WLT vor einer Vorstellung, und das halt im Schnelldurchlauf und reduziert natürlich, aber trotzdem haben wir, glaube ich, alle Gewerke und alle Ebenen mitgedacht: vom Bühnenbild aufbauen über Scheinwerfer einrichten, einen Soundcheck machen und so weiter. Also es sind wirklich Dinge, die den Zuschauern normalerweise verborgen bleiben.
RS: Der Theatermacher ist natürlich mit Mike Kühne auch wahnsinnig charmant besetzt, sodass die Gefahr besteht, dass man ihm auf den Leim geht. Also gut zuhören und dagegen arbeiten. Es ist auch ein bisschen eine Falle.
Tickets für die Premiere am Sonntag, 12. April 2026 um 18 Uhr und die Vorstellung am 22. Mai im WLT-Studio gibt es online und an der Theaterkasse unter Tel.: 02305-978020 oder unter: tickets@westfaelisches-landestheater.de.
Interview: Nadja Juskowiak
Fotos: Volker Beushausen




