Handgemachte Magie des Herzens

“Ich bin ein vergleichsweise simpler Geschichtenerzähler, der seine Geschichten aus guten Gründen mit besonderer Vorliebe dem besten und wichtigsten Publikum erzählt, die man sich als Geschichtenerzähler wünschen kann, nämlich Kindern.”
Otfried Preußler

Vor der Premiere von Krabat haben wir Regisseurin Karin Eppler und KJT-Dramaturgin Sabrina Klose zum Interview getroffen. Sie erzählen uns, warum Preußlers Klassiker heute aktueller denn je ist und wie sie Zauberkunst auf die Theaterbühne bringen.

WLT: In kurzen Worten: Worum geht es in dem Buch?
Karin Eppler: Krabat ist 14 Jahre alt und ein Waisenjunge, den schon seit geraumer Zeit schlimme Träume quälen, in denen ihm eine unheimliche Stimme sagt, er soll zur Mühle nach Schwarzkollm kommen. Eines Tages macht er sich tatsächlich auf den Weg zur Mühle. Dort findet er alles, was er gesucht hat: Ein Bett, Essen, Gemeinschaft und Arbeit. Nach und nach findet er heraus, dass hinter der Mühle noch viel mehr steckt, nämlich eine schwarze Schule, an der dunkle Magie gelehrt wird. Zunächst ist Krabat davon fasziniert, doch als er einen Freund verliert, ändert sich das schlagartig. Ab diesem Zeitpunkt ist etwas in Gang gesetzt und er sucht einen Ausweg aus der Mühle und der dunklen Magie.

WLT: Warum steht „Krabat“ in dieser Spielzeit auf dem Spielplan des WLT?
Sabrina Klose: Wir bringen „Krabat“ für 10- bis 14-Jährige auf die Bühne. Für diese Zielgruppe werden allgemein wenig Theaterstücke angeboten, dem wollen wir mit unserer Inszenierung entgegenwirken. Als das Buch 1971 erschienen ist, wurde es von vielen Erwachsenen gelesen. Durch den aber noch jungen Protagonisten wurde es schnell als Jugendbuch bezeichnet. Der Stoff ist definitiv nicht zu düster für ein jüngeres Publikum. Spätestens seit Harry Potter wissen wir, dass man auch ab der 5. Klasse Zauberbücher lesen kann.

WLT: Wie setzt ihr diese „dunkle Seite“ des Stücks in einer Inszenierung für alle ab 10 Jahren um?
Karin Eppler: Mit 10 Jahren macht man bereits eigene Erfahrungen in der Welt und wird gerne gefordert. Es ist ja auch keine düstere Geschichte. Denn was ganz wichtig ist – und was auch Otfried Preußler immer wichtig war zu betonen -, dass die Verführbarkeit dunkler Macht im Hellen endet. Preußler selbst hatte immer sehr engen Kontakt zu seinem Publikum, also zu Kindern und Jugendlichen. Er ist ein toller Geschichtenerzähler, der einmal gesagt hat: „Ich habe als Lehrer viel mit Kindern zu tun gehabt, daher weiß ich, wie sehr sie Geschichten mit einem guten Schluss mögen.“ Dass dieser gute Schluss möglich ist, hat Preußler selbst erlebt. Er ist direkt von der Schulbank in den Krieg gezogen und war dann in russischer Gefangenschaft. Es war ihm ein inneres Anliegen zu zeigen, dass dort wo es Dunkelheit gab, auch wieder Helligkeit kommt, dass Geschichten gut enden. Und das machen wir hier eben auch. Das können wir 10-Jährigen ruhig zumuten. Geschichten zum Fürchten gehören meiner Meinung nach zum Erwachsenwerden dazu.

WLT: Ist das Stück auch für erwachsene Zuschauer geeignet?
Karin Eppler: Auf jeden Fall. Es ist eine Geschichte, die zwar einen jugendlichen Protagonisten hat, aber von einer Mechanik, die mit Macht und Ohnmacht zu tun hat, erzählt. Geschichten, wie Macht missbraucht werden kann, wie Ohnmacht entsteht und wie sich jemand aus so einem Räderwerk, aus einer Mühle befreit, das ist natürlich auch etwas für Erwachsene.

WLT: Du hast auch die Bühnenfassung geschrieben. Wie nah ist sie am Original? Und gab es eine besondere Herausforderung dabei?
Karin Eppler: Ich arbeite dabei immer eng mit Sabrina zusammen. Wir bleiben nah an Preußler, haben den Fokus aber auf Krabat selbst und die Entwicklung, die er durchmacht, gelegt. Ich würde sagen, wir sind nah dran und dennoch frisch.

Sabrina Klose: Wir haben einen insgesamt eher jugendlichen Duktus und verfolgen einen straffen Rhythmus. Unser Krabat spricht sehr heutig, damit das jugendliche Publikum eine Identifikationsfigur auf der Bühne hat, die es direkt anspricht und durch die Geschichte führt. Wir haben fünf Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne, die in verschiedene Rollen schlüpfen. Dabei werden wir spezifische Theatermittel verwenden, damit die Jugendlichen dem Geschehen auf der Bühne folgen können. Die Geschichte selbst bleibt aber zeitlos, sie kann damals genau wie heute spielen.

WLT: Warum ist der Stoff denn aus eurer Sicht heute noch bzw. wieder aktuell?
Karin Eppler: Die Aktualität ist mehr denn je gegeben! Zu Beginn des Stückes kann man schon verstehen, warum Krabat sich von der dunklen Macht angezogen fühlt. Das ist einfach eine Verführbarkeit in ein totalitäres System – und wenn das nicht heutig ist…
Sabrina Klose: Interessant ist ja, dass Preußler das Buch geschrieben hat, um seine eigene Vergangenheit zu bewältigen.
Karin Eppler: Genau das zeichnet Preußler aus. Er ist kein pädagogischer Schreiber, sondern ein Geschichtenerzähler.

WLT: Wie schafft es Krabat am Ende, sich aus den Verstrickungen der Mühle zu lösen?
Karin Eppler: Allzu viel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Wir haben ein totalitäres System, das über dunkle Magie funktioniert. Daraus kann Krabat sich nur mit, nennen wir es mal, handgemachter Magie des Herzens befreien. Mit Menschlichkeit, mit Liebe.

WLT: Wie gelingt es euch, die Magie auf der Theaterbühne umzusetzen?
Karin Eppler: Magie, Zauberei und Verwandlungen spielen eine große Rolle. Grundsätzlich funktioniert dieses Stück für uns durch die Kraft des Schauspiels. Wir nutzen aber die Möglichkeit eines sehr zeitgemäßen Mittels, der des Videos. So kommen wir – gemeinsam mit dem Schauspiel – zu einem zauberhaften Ergebnis.

WLT: Gibt es etwas, worauf sich das Publikum besonders freuen darf?
Karin Eppler: Die Zuschauer können sich auf ein Ensemblestück mit fünf absolut spielfreudigen Schauspielerinnen und Schauspielern freuen, die uns in offenen Rollenwechseln die Geschichte erzählen und eine super Energie auf die Bühne bringen.

Die Premiere von “Krabat” feiert das Westfälische Landestheater am Samstag, 16. Februar 2019 um 15 Uhr im WLT-Studio. Es gibt noch Restkarten zum Preis von 11€ (erm. 9€) an der Theaterkasse bei Vanessa Meiritz unter 02305 – 978020 oder per Mail an meiritz@westfalisches-landestheater.de.

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